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Star-Techs

Elon Musk – Der moderne Messias?

Veröffentlicht: 06.02.2020 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 06.02.2020
Elon Musk auf einem Magazincover

PayPal, Tesla, SpaceX, Flammenwerfer, Tunnel unter L.A. – Egal, wohin man im Leben von Elon Musk blickt, kommt der Innovationsgeist des US-amerikanischen Unternehmers und Digital-Pioniers durch. In den vergangenen Jahren prägte er die digitale Innovation mehr als manch anderer und sorgte mit seinen zahlreichen unternehmerischen Abenteuern für Aufsehen. Im Netz wird Elon Musk nahezu als Messias verehrt. 

„Die Boring Company ist eher eine Hobby-Firma, die als Scherz begann. Dann haben wir uns entschieden, sie wahr werden zu lassen und einen Tunnel unter L.A. zu graben. Und dann haben andere Leute uns gebeten, Tunnel zu graben.“ – So flapsig, wie Elon Musk im Gespräch mit dem Podcaster Joe Rogan eines seiner aufsehenerregendsten Unternehmen beschreibt, lässt aufhorchen. Wer dem Unternehmer eine Weile lang zuhört, bekommt schnell den Eindruck, dass dieser Mann viele Ideen einfach aus einer Laune heraus entwickelt. 

„Das ist kein Flammenwerfer“

So ist auch die Idee, einen Flammenwerfer als Merchandise für die Boring Company zu verkaufen, entstanden: Musk hatte im Film Spaceballs eine Szene gesehen, in der ein Flammenwerfer als Merchandise-Artikel verkauft wurde. Damit es beim internationalen Versand des Boring-Company-Flammenwerfers nicht zu Problemen kommt und da es sich im Grunde sowieso um einen Gasbrenner mit der Verkleidung eines Luftgewehrs handelt, ließ das Unternehmen den Hinweis „Das ist kein Flammenwerfer” auf den Artikel drucken. 

Auf Videos wirkt der 1971 im südafrikanischen Pretoria geborene Musk entweder nahezu mechanisch oder aber kindlich. Mechanisch, wenn er in Interviews Fragen zu der Zukunft der künstlichen Intelligenz beantwortet und seine Worte genauestens abzuwägen scheint. Kindlich, wenn man sieht, wie er seiner gestarteten Weltraumrakete hinterherrennt und jubelnd in die Luft springt, sobald sie wieder sicher und eigenständig landet. 

Seine Falcon-Raketen von SpaceX sind eines der Aushängeschilder von Elon Musk und einer der Gründe, weshalb er von vielen bewundert wird: Musk hat das geschafft, was der US-Raumfahrtbehörde NASA – immerhin die Behörde, die einst einen Menschen zum Mond brachte – nicht gelungen ist. Wiederverwertbare Raketen bauen, die nicht einfach nur in den Ozean stürzen oder in der Atmosphäre verglühen, sondern zurück zur Erde kommen und beeindruckenderweise senkrecht landen. 

Mit 16 Jahren nach Amerika

Dass Musk das digitale Bezahlen revolutionieren, Raketen ins Weltall und Elektro-Autos auf die Straße bringen würde, war nicht immer abzusehen. Seine Eltern ließen sich 1980 scheiden, Elon blieb danach die meiste Zeit bei seinem Vater und lebte an verschiedenen Orten in Südafrika. Als Kind wurde er gemobbt, was seinen traurigen Höhepunkt erreichte, als eine Gruppe Jugendlicher ihn attackierte und derart verletzte, dass er einige Zeit im Krankenhaus verbringen musste  – das erklärte Musks Vater Errol zumindest im Jahr 2015 dem Reporter Alec Hogg, wie News24.com berichtete.  

Was sich aber schon in seiner Kindheit abzeichnete, war sein Interesse für Computer: Mit zehn Jahren begann Elon Musk, sich für Programmiersprachen und die Programmierung seines Commodore VIC 20 zu interessieren. Als er zwölf Jahre alt war, entwickelte er ein eigenes Videospiel, dass er für 500 US-Dollar an eine Computerzeitschrift verkaufte. Der Unternehmer Elon Musk war gewissermaßen geboren.

Im Alter von 16 Jahren beantragte Musk gemeinsam mit seinem Bruder Kimbal Reisepässe in der kanadischen Botschaft. Beide wanderten ein Jahr später aus und entgingen damit dem Wehrdienst in der südafrikanischen Armee. In Kanada studierte Musk an der Queen’s University in Kingston, siedelte in die USA über und schloss das Studium an der University of Pennsylvania in Philadelphia ab. 1995 wurde er an der Stanford University zugelassen, um den Doktor in Physik zu machen. Nur wenige Tage später ließ er das Studium aber links liegen – und gründete stattdessen ein Internet-Unternehmen. Es war der Beginn der Dotcom-Blase.

Von PayPal zum Raketenbauer

Im März 1999 gründete Elon Musk den Online-Zahlungsdienst X.com, der ein Jahr später mit dem Software-Unternehmen Confinity verschmolzen wurde. Im Portfolio des Unternehmens: PayPal. Die zusammengeschlossene Firma entschied sich, PayPal in den Fokus zu rücken und benannte sich im Jahr 2001 entsprechend um. Obwohl Musk im Oktober 2000 aus der CEO-Position gedrängt wurde, gilt er damit trotzdem als Begründer eines der größten Zahlungsdienste im Netz. 

SpaceX Falcon-9-Rakete

Seitdem hat der umtriebige Unternehmer viel Energie investiert, um die Welt zu verändern: Mit Tesla arbeitet er an der Entwicklung serientauglicher Elektro-Fahrzeuge, um den Verbrennungsmotoren den Garaus zu machen. Mit The Boring Company plant er, einen Tunnel unter Los Angeles zu graben, damit der Verkehr in der Metropole besser fließt. Und mit SpaceX entwickelt Musk Raketen, die mehr als einmal verwendet werden können.

Seine Gedanken und Ideen beschrieb Musk selbst im Podcast mit Joe Rogan als „eine niemals endende Explosion“ in seinem Kopf. „Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, dachte ich, ich wäre verrückt. Weil klar war, dass die Köpfe der anderen Leute nicht ständig mit Ideen überkochten.“

„Ich würde gerne auf dem Mars sterben. Nur nicht beim Aufprall.“

„Unsere Existenz kann nicht nur darin bestehen, ein erbärmliches Problem nach dem anderen zu lösen“, erklärte Musk im Dezember 2017 auf Twitter. Er hatte zuvor behauptet, dass die Menschheit zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine Basis auf dem Mond haben und auf dem Weg zum Mars sein sollte. Ein Nutzer hatte daraufhin angemerkt, dass man sich auch zunächst mit den Problemen der Erde beschäftigen könne. „Es muss einen Grund geben, warum wir leben“, betonte Musk.

Musks Faszination für den Roten Planeten ist mehr als offensichtlich. Sein berühmter Satz, dass er gerne auf dem Mars sterben würde – nur eben nicht beim Aufprall – stammt aus dem Jahr 2013. Sein Ziel, eines Tages auf dem Mars zu leben, hat er mehrfach seit 2016 öffentlich erklärt, im Jahr 2019 will er eine erste Rakete zur Besiedelung des Planeten losschicken. Das hat der Unternehmer laut Cnet zumindest auf der Technik-Messe South by Southwest erklärt. „Falls es einen Dritten Weltkrieg gibt, dann sollten wir sicherstellen, dass es anderswo genügend menschliche Zivilisation gibt, um sie zurückzubringen und das dunkle Zeitalter zu verkürzen“, so Musk. 

Allgemein beschäftigt sich Musk sehr mit der Zukunft der Menschheit. Wie er selbst im März 2018 gegenüber Luciana Bellini von GQ erklärte, sei der Gedanke, was die Zukunft der Menschheit am stärksten beeinflussen könnte, „der rote Faden, der alles vereint, an dem ich arbeite. Als ich an der Universität war, waren die drei Bereiche, die mir dazu einfielen, nachhaltige Energie, das Internet und die Raumfahrt.“ 

In Deutschland sorgte der Milliardär und Erfindergeist im Jahr 2019 für großes Aufsehen, als er verkündete, eine Tesla-Fabrik in Brandenburg errichten zu wollen. Musk will das Kompakt-SUV Model Y im Umland von Berlin bauen lassen. Für die deutsche Autoindustrie ein Schuss vor den Bug: „Es ist ein deutliches Signal, das Elon Musk da aussendet“, meint laut Spiegel Online auch Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). Tesla sei nach langer Zeit der erste ausländische Hersteller, der wieder Autos in Deutschland produzieren will. „Das tut den deutschen Herstellern gut, weil es die Anspannung weiter erhöht“, schätzt Bratzel. 

Das Image ist nicht unbefleckt

Doch Musk ist nicht unumstritten: Seine Auto-Firma Tesla steht immer wieder kurz vor der Pleite. Im September 2018 hatte Musk Ärger am Hals, weil er auf Twitter ankündigte, Tesla von der Börse zu nehmen. Die US-Börsenaufsicht warf dem Unternehmer daraufhin Betrug vor und verklagte ihn. Musk einigte sich mit der Börsenaufsicht, räumte seinen Posten im Verwaltungsrat von Tesla und zahlte eine Strafe von 20 Millionen Dollar. 

Dass er in diesem Zeitraum im Podcast mit Joe Rogan kurz an einem Joint zog, was in Kalifornien zu dem Zeitpunkt übrigens legalisiert war, handelte dem Erfinder und Unternehmer mehr Ärger ein. Das Bild ging als Meme durch das Netz, für viele war es der Inbegriff des Multimilliardärs, der seine Unternehmen aus Jux und Dollerei leitet und dessen Entscheidungen mehr wie PR-Stunts als ernsthafte Aktionen wirken. Dazu gehört unter anderem eben auch der Flammenwerfer, den er als Merchandise-Artikel verkaufte. Oder sein Tesla-Auto, dass er mit einer SpaceX-Rakete Richtung Mars geschossen hat. 

Trotzdem lässt sich der Einfluss von Elon Musk auf die Welt nicht leugnen. Und seine Umtriebigkeit und seine augenscheinliche Gleichgültigkeit gegenüber der öffentlichen Meinung begeistern das Netz. Elon Musk ist dort – vor allem auf der von ihm stark genutzten Plattform Twitter – zum Heilsbringer aufgestiegen. Ein Heilsbringer, der Elektro-Autos baut, Raketen Richtung Mars schießt, sich mit der künstlichen Intelligenz beschäftigt und die Menschheit aus ihrem Sumpf befreien will. Und dabei auch immer wieder ein gutes Meme abgibt.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für: Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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