Wegen Amazon und WhatsApp

DSGVO-Strafen betragen 2021 erstmals über eine Milliarde Euro

Veröffentlicht: 11.01.2022 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 11.01.2022
EU Datenschutz

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wurde im Mai 2018 eingeführt und gerade zu Beginn oft als zahnloser Tiger kritisiert. Allerdings ist die Durchsetzung der Datenschutzregeln mit den Jahren enorm gewachsen, wie eine Erhebung von Atlas VPN zeigt. 2021 wurden in insgesamt 412 Bescheiden erstmals mehr als eine Milliarde Euro Bußgelder eingetrieben. 2018 waren es gerade einmal 436.000 Euro, 2019 etwa 72 Millionen und 2020 rund 171,5 Millionen Euro.

Der enorme Anstieg ist aber sehr einfach zu erklären und lässt auch kaum Rückschlüsse auf die Entwicklung in den kommenden Jahren zu. Schaut man sich die Bußgeldverteilung in den vier Quartalen 2021 an, fällt auf, dass die Zahlen im ersten, im zweiten und im vierten Quartal vergleichsweise gering ausfallen. Im dritten Quartal allerdings liegen sie bei insgesamt 997,75 Millionen Euro.

Amazon kassiert die höchste DSGVO-Strafe

Die starke Spitze gründet sich letztlich auf lediglich zwei Strafen: Im Juli 2021 wurde Amazon Europa zu einem DSGVO-Bußgeld von 746 Millionen Euro verurteilt, im September folgte eine Strafe für WhatsApp in Höhe von 225 Millionen Euro. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die übrigen DSGVO-Strafen sind auch 2021 vergleichsweise gering ausgefallen. Dennoch zeigt sich, dass die Datenschutzgrundverordnung mittlerweile besser durchgesetzt wird als noch zu Beginn.

Allerdings ist die Umsetzung von Land zu Land nach wie vor sehr unterschiedlich. In Spanien wurden seit 2018 mit Abstand die meisten Bußgelder verhängt – insgesamt 351. Die durchschnittliche Strafe liege hier bei etwa 105.000 Euro, so Atlas VPN. Dahinter folgt Italien mit 101 verhängten Bußgeldern. In Deutschland sind es lediglich 39. Interessant ist dabei aber die Höhe der Bußgelder: In Spanien ist die durchschnittliche Höhe vergleichsweise gering, die 351 Bußgeldbescheide verteilen sich auf insgesamt knapp 40 Millionen Euro. Die 39 Bescheide in Deutschland summieren sich dagegen auf über 50 Millionen Euro. Spitzenreiter ist hier Italien mit knapp 90 Millionen Euro. Die Vermutung liegt nahe, dass Spanien bei der Durchsetzung der DSGVO sehr rigoros vorgeht, während sich die deutschen Datenschutzbehörden vor allem auf größere Vergehen konzentrieren.

Über den Autor

Christoph Pech
Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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Kommentare  

#1 Dieter Brandes 2022-01-15 09:41
Eine asoziale Angelegenheit, das mit der DSVGO. Was sollen wir denn noch alles beachten. Was kommt noch. Du kannst heutzutage ohne teure Beratung doch nichts mehr im Internet und Kundenverkehr machen. Überall lauern rechtliche Fallstricke.
Der Verbraucher muss letztlich dafür zahlen und die Welt wird eindeutig eine schlechtere.
Wen interessiert es eigentlich besonders, ob google und Co meine Daten haben.
Sobald die damit meine Vorlieben erkennen und mir dann bevorzugt Dinge anzeigen, die in meinem Dunstkreis liegen ist doch gut. Diese ewige Werbung überall ist halt dem geschuldet, dass das ganze bezahlt werden muss. Aber es gibt einen einfachen Ausweg: Ich muss nichts kaufen. Zumal, wenn es Firlefanz ist, wie ein winzigen überteuertes Wendeportemonna ie o.ä.
Was mich vielmehr stört ist, dass google und Co nur noch Schwachsinn anzeigen. Die echten News und wirklich geniale Suchergebnisse lassen google und Co ganz hinten anstehen. Vorne ist das was Geld bringt oder wirklich 100% beliebt, weil man DANEBEN Werbung einblenden kann.
Vielleicht sollte man es mal andersherum machen und den Staat dazu zwingen nur noch Software zuzulassen (Browser usw.), die diese "bösen" Arschlochdinge nicht an erster Stelle anzeigt, sondern nur die echt innovativen, gerechten, ...
Elon Musk kommt ja auch zu 100% ohne Werbung aus und ist in aller Munde. Geht aber leider nicht bei allem so. Und da sollte der Staat eingreifen. Nicht bei dem "Schutz" unserer Daten wie Geburtsjahr, Name, Adresse, Gewohnheiten. Das soll schützenswert sein? Das erzähle ich sozusagen jedem auf der Strasse, der es hören will. Was sich will, ist Mehrwert in den Informationsmedien.

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