Die dümmsten Trends im Netz

Wenn im Internet Waschmittel gegessen und Toilettensitze abgeleckt werden

Veröffentlicht: 22.04.2020 | Geschrieben von: Corinna Flemming | Letzte Aktualisierung: 22.04.2020
Schlechte Idee Konzept

 „Das Internet? Gibt's diesen Blödsinn immer noch?“, fragte einst Homer Simpson, Vaterfigur aus der beliebten Serie „Die Simpsons“. Diese Frage kann man gleich auf zwei Arten mit Ja beantworten: Ja, das gibt es noch und ja, es ist voll mit jeder Menge Blödsinn. In den letzten Jahren überschwemmten regelmäßig Videos zu verschiedenen Trends, neudeutsch auch gerne als Challenges bezeichnet, das Netz. Wir haben einen Blick auf die wirklich dämlichsten Internetphänomene geworfen.

Ice Bucket Challenge

Vorweg aber noch ein positives Beispiel, das zeigt, wie sehr eine solche Herausforderung auch helfen und einer wichtigen Angelegenheit Aufmerksamkeit verschaffen kann. Im Sommer 2014 überschüttete sich gefühlt die ganze Welt mit einem Eimer kaltem Wasser. Die als Spendenkampagne angesetzte Ice Bucket Challenge bestimmte über Wochen hinweg die sozialen Kanäle und brachte der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (kurz ALS) weltweite Aufmerksamkeit. Innerhalb weniger Wochen kamen so über 94 Millionen US-Dollar zusammen. Hier die äußerst charmante Variante von Bill Gates:

 

Allerdings haben nicht alle Internettrends solch positive Resonanzen, wie unsere Auflistung zeigt.

Die Tide Pod Challenge

Der Hype um die Tide Pod Challenge erhitzte Anfang 2018 vor allem in den USA die Gemüter. Dabei handelt es sich um eine Mutprobe, bei der Personen auf den Waschmittel-Kapseln der Marke Procter & Gamble so lange herumbeißen, bis sie zerplatzen. Der Verzehr der mit Waschmittel gefüllten Gel-Kissen wird natürlich gefilmt und zur Belustigung aller ins Internet gestellt. Es braucht keinen Gesundheitsexperten, um mit Sicherheit sagen zu können, dass diese Challenge nicht lustig, sondern dämlich und äußerst gefährlich ist. Das hoch konzentrierte Waschmittel kann unter anderem zur Vergiftung führen und die Schleimhäute verätzen. Nachdem der Trend besorgniserregende Züge angenommen hat, hat sich der Hersteller mit dem ehemaligen US-amerikanischen American-Football-Spieler Rob Gronkowski zusammengetan und ein entsprechendes Video gedreht, in dem er vor den Gefahren dieser Mutprobe warnt. Bleibt zu hoffen, dass es danach auch der Letzte verstanden hat.

Horror-Clowns mit Kettensägen

Im Herbst 2016 schlug das Horrorclown-Phänomen hohe Wellen. Dabei verkleideten sich Personen als sogenannte Horror- oder auch Killer-Clowns und erschreckten ahnungslose Passanten. Vorzugsweise liefen die „Attacken“ bei Nacht und in einer dunklen Gegend ab und wurden oft mit Accessoires wie einem Hammer oder einer Kettensäge ergänzt. Das Phänomen kam ursprünglich aus den USA, fand dann aber auch hierzulande immer mehr Nachahmer, die ihre Horror-Clown-Angriffe oft filmten und anschließend ins Internet stellten. Die Opfer solcher Attacken erlitten natürlich einen Riesenschreck, weshalb auch die Polizei derartige Angriffe nicht als Kavaliersdelikte einordnet. Zahlreiche Horror-Clowns wurden angezeigt und mussten hohe Strafen, teilweise im vierstelligen Bereich, zahlen. 

Thigh Gap, Bikini Bridge und andere gefährliche Schönheitstrends 

Egal ob in der Werbung, in Magazinen oder sozialen Netzwerken – überall lächeln einen Frauen mit perfekten Körpern an. Diese idealisierten Darstellungen haben in der Vergangenheit zu vielen fragwürdigen Körpertrends geführt. Da gab es beispielsweise die Thigh Gap Challenge. Bei dieser eiferten Frauen dem Trend nach, so dünne Beine zu haben, dass zwischen den Oberschenkeln eine Lücke entsteht. Instagram, Pinterest und Co. sind voll mit diesen Bildern. Auch das Streben hin zu einer „Bikini Bridge“ ist gerade im Sommer aktueller denn je. Bei dieser trainieren die Teilnehmer dieser Challenge so lange, bis ihre Bikinihose auf den Hüftknochen aufliegt und Luft zwischen Hose und Unterleib lässt. Diese Trends hin zu einem umstrittenen Schönheitsideal tauchen in regelmäßigen Abständen in den sozialen Netzwerken auf und können in vielen Fällen oft nur durch Extremsport und eine drastischen Reduzierung der Kalorienzufuhr erlangt werden. Diese Trends sind nicht nur äußerst fragwürdig, sondern vor allem auch gesundheitlich sehr bedenklich.

Planking, Owling und Batmaning

planking

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum sich Menschen in den eigenen vier Wänden und sogar an öffentlichen Orten einfach flach auf den Boden legen, die Arme an den Seiten und den Kopf nach unten? Wer dieses seltsame Verhalten bereits beobachten konnte, ist wahrscheinlich gerade in eine Planking-Challenge hineingestolpert. Diese Pose wird am liebsten auf Treppen, Bürostühlen, Tischen oder anderen Gegenständen ausgeübt. Wie das Bild zeigt, suchen sich die Teilnehmer aber ab und zu auch mal völlig aufgefallen Orte für diese Challenge heraus. Obwohl hier die größte Herausforderung wohl eher darin lag, überhaupt erst da hinauf zu gelangen.  

Kurz nach dem Planking kam auch schon der neue Hype: das Owling (englisch: owl,  deutsch: Eule). Bei dieser Challenge imitiert man das gefederte Tier, indem man in die Hocke geht, die Arme an den Körper anlegt und einen starren Blick aufsetzt. 

Und wer dachte, dies sei schon bescheuert und Twitter noch nicht voll genug mit Bildern derartiger Challenges, für den haben wir noch eine in petto: Batmaning. Bei dieser Challenge imitieren Leute wie der Superheld im Film die Haltung einer Fledermaus, hängen also kopfüber nach unten und werden nur noch von den Füßen gehalten. Wem’s gefällt.

Cinnamon Challenge und Blue Whaling

Die folgenden Challenges sind mit Abstand die dümmsten, weil sie extrem gefährlich sind. Daher gilt hier besonders die Devise: Bitte nicht zu Hause nachmachen! Bei der sogenannten Cinnamon Challenge (deutsch: Zimt), versucht eine Person einen Löffel Zimt herunterzuschlucken, ohne etwas zu trinken. Was im ersten Moment recht einfach klingt, ist in Wahrheit fast unmöglich. Der Zimt entzieht der Mundhöhle augenblicklich das Wasser, was ein Herunterschlucken extrem erschwert. Im Internet kursieren unzählige Videos der Versuche. Ärzte raten von diesem Internetphänomen vehement ab, da der Zimt eingeatmet und in die Lungen gelangen kann, was nicht nur das Atmen erheblich erschwert, sondern auch zu allergischen Reaktionen und Lungenentzündungen führen kann.

Noch gefährlicher ist ein Trend aus dem Jahr 2016 und unter dem Namen Blue Whale Challenge bekannt geworden. Das Phänomen hat seinen Ursprung in Russland und enthält 50 Mutproben. Diese fangen harmlos an – so sollen sich die Teilnehmer beispielsweise erstmal einen Horrorfilm anschauen – werden dann aber immer schwieriger und gefährlicher. In den späteren Aufgaben sollen sich die Teilnehmer selber Verletzungen zufügen, die letzte fordert zum Suizid auf. Nach unbestätigten Medienangaben sollen sich über 100 Teilnehmer weltweit tatsächlich das Leben genommen haben.

Corona Challenge

In der aktuellen Coronakrise lassen sich die Menschen nicht nur zu Hamsterkäufen, sondern auch zu sehr sinnfreien und gefährlichen Herausforderungen hinreißen. Den Stein der Dummheit soll die US-Influencerin Ava Louise ins Rollen gebracht haben mit diesem Video:

Nachdem verständlichen Shitstorm erklärte sie zwar, dass es sich um eine Toilette in einem Privatjet handele und sie den Sitz vorher desinfiziert hat, dennoch gab es unzählige Nachahmer. Dabei blieb es aber nicht nur bei Toilettensitzen, auch Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Waren im Supermarkt wurden im Rahmen der Corona Challenge angeleckt. In mindestens einem Fall soll sich die Person dabei tatsächlich mit dem Coronavirus angesteckt haben und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

Die letzten Beispiele zeigen eindeutig, wie schnell derartige Internettrends zur echten Gefahr werden können. Bleibt zu hoffen, dass wir in Zukunft wieder nur Imitationen von Tieren und Superhelden in den sozialen Netzwerken sehen. 

Über die Autorin

Corinna Flemming Expertin für: Internationales

Nach verschiedenen Stationen im Redaktionsumfeld wurde schließlich das Thema E-Commerce im Mai 2017 zum Job von Corinna. Seit sie Mitglied bei den OnlinehändlerNews ist, kann sie ihre Liebe zur englischen Sprache jeden Tag in ihre Arbeit einbringen und hat sich dementsprechend auf den Bereich Internationales spezialisiert.

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