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Abmahnungen für Influencer: Immer mehr Verbraucher fühlen sich getäuscht

Veröffentlicht: 16.04.2018 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 16.04.2018 | Gelesen: 6895 mal

Influencer, die entsprechende Beiträge nicht als Werbung kennzeichnen, bekommen Probleme mit der Wettbewerbsbehörde. Allein seit Oktober 2017 wurden 16 Influencer abgemahnt, Tendenz steigend.

Dagi Bee
© Youtube / Dagi Bee - Screenshot

Dagi Bee, Bibis Beauty Palace und so weiter – Influencer sind heutzutage auch über die Internetgrenzen bekannt und ihre Relevanz, vor allem wirtschaftlich, steigt rasant. Der deutsche Markt ist zwar noch vergleichsweise klein – der 2017 gegründete Bundesverband Influencer Marketing (BVIM) schätzt das Bruttowerbebudget auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag – die Zuwachsraten sind aber rasant. Im vergangenen Jahr lagen sie laut BVIM zwischen 20 und 30 Prozent. Christina Kiel von der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs geht „davon aus, dass es eine wachsende Branche ist“. Und mit steigender Relevanz steigt auch die Beachtung der Wettbewerbszentrale.

16 Abmahnungen, Tendenz steigend

Denn nicht immer halten sich die Influencer bzw. die Unternehmen und Agenturen dahinter, auch an die Regeln. Es ist nicht immer sofort erkennbar, dass es sich um Werbung handelt und das ist für die Wettbewerbsbehörde ein Problem. „Es muss auf den ersten Blick erkennbar sein, dass es sich um Werbung handelt. Der Hinweis darf nirgendwo versteckt sein“, erläutert Kiel. Linda van Rennings vom Digitalverband Bitkom ergänzt: „Für Werbung gelten klare Regeln, etwa dass bezahlte Werbung auch als solche kenntlich gemacht werden muss. Das sollte auch für Influencer selbstverständlich sein.“

Seit dem vergangenen Oktober hat die Behörde aus Bad Homburg 16 Mal Influencer und Unternehmen abgemahnt, weil Werbung nicht ausreichend als solche gekennzeichnet war, so die Wirtschaftswoche. „Weitere Fälle werden geprüft. Wir bekommen vermehrt Beschwerden von Verbrauchern, die sich getäuscht fühlen“, so Kiel, ohne genaue Zahlen zu nennen. 13 Fälle wurden bislang außergerichtlich beigelegt, die Influencer bzw. die dahinter stehenden Unternehmen seien aktuell recht zügig, wenn es um eine Unterlassungserklärung geht.

Wachsender Markt

Die Relevanz von Influencern ist für Unternehmen nicht zu unterschätzen. „Für Unternehmen ist das ein wichtiges Marketingtool. Es geht um sehr viel Geld“, sagt etwa Reiner Münker, Geschäftsführer der Wettbewerbszentrale. Einer Umfrage des BVDW zufolge hat jeder sechste Online-Nutzer zwischen 14 und 29 Jahren schon einmal auf Empfehlung eines Influencers gekauft. Zwar ist mit 92 Prozent den meisten bewusst, dass Influencer ihr Geld mit Werbung verdienen, 26 Prozent betrachten die Präsentation aber nicht als Werbung.

 

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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Kommentare  

#1 Eric 20.04.2018, 11:11 Uhr
Ich finde diesen Trend, dass mehr Augenmerk auf die Influencer gelegt wird, recht begrüßenswert. Klar, vielen ist bewusst, dass es um Werbung geht und da Geld im Spiel ist (heute morgen noch einen Artikel über einen Game-Entwickler gesehen, die zur Bewerbung ihres neuen Spiels ca. 5000 Dollar/Stunde gezahlt haben, damit ein Influencer dieses in seinem Stream präsentiert).
Was aber Personen wie Bibi etc angeht - hier finde ich es teils schwierig, weil Jugendlichen, denen ggf. noch das Verständnis fehlt, ganz klar Werbung präsentiert wird. Hier sind teils wirklich fette Werbeverträge im Spiel, und ich finde, dass auch hier ein Augenmerk auf gerechten Wettbewerb gelegt wird.
Auf der einen Seite dürfen Unternehmen nicht an Schulen werben, auf der anderen Seite ist es oft scheinbar ok, dass Influencer Tausende von EUR damit verdienen, dass sie Jugendlichen kumpelhaft eine Dauerwerbesendu ng präsentieren.
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