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Kommentar

Paydirekt steht vor dem Ende

Veröffentlicht: 16.01.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 16.01.2019
Goodbye auf Schreibmaschine

Die ING Deutschland, die HypoVereinsbank, die Targobank und noch einige andere private Banken haben ihren Rückzug von Paydirekt angekündigt. Zum 31. Dezember dieses Jahres wollen die Poolbanken ihre gut elf Prozent am Bezahldienst abstoßen. Offiziell sei die Unternehmensstruktur schuld. Finanz-Szene spekuliert aber, und das erscheint wahrscheinlicher, dass die Privatbanken sich nicht an der nächsten Funding-Runde für Paydirekt beteiligen wollen. Die vornehmlich ausländischen Mutter-Banken der deutschen Ableger haben schlicht kein Interesse mehr daran, Millionen in ein Projekt zu investieren, das in diesem Leben nicht mehr den gewünschten Erfolg bringen wird.

Wenn es um Paydirekt geht, stellt sich mittlerweile regelmäßig ein Déjà-vu ein. Im November 2018 war von gerade einmal 40.000 Transaktionen pro Monat die Rede. Noch im September machte die Nachricht von der nächsten Finanzspritze die Runde, die bis Ende des Jahres stehen sollte. Jetzt steht gar nichts, jetzt geht den ersten Beteiligten die Geduld aus. Spekuliert wird nun, dass Deutsche Bank und Commerzbank als verbliebene private Partner die Anteile übernehmen, aber auch, dass die Gespräche eher stockend verlaufen.

Ist der Ruf erst ruiniert

Und man muss ja an dieser Stelle auch fragen: Warum sollten sie das tun? Für die deutsche Kreditwirtschaft ist Paydirekt nicht nur eine finanzielle Feuerschale, sondern auch ein Image-Desaster. Je weiter das Projekt erfolglos durchgeschleift wird, desto lauter wird die Kritik, desto größer werden die Fragezeichen nach dem Warum. Wird es eingestellt, bleibt ein Makel, der aber zumindest irgendwann verblassen kann. Es ist eine Lose-Lose-Situation, denn am Image aller Beteiligten nagt Paydirekt schon jetzt.

Das ist schade, denn die Idee hinter Paydirekt war ja mal eine gute. Vor allem war es aller Ehren wert, dass quasi der versammelte deutsche Finanzsektor hinter dem Projekt stand. Ein deutscher Konkurrent zu PayPal war auf dem Papier eine spannende Idee. Nach Jahren der Erfolglosigkeit und Millionen-Investments, die nichts gebracht haben, muss man aber konstatieren, dass Paydirekt gescheitert ist. Man kann sich wünschen, dass man den Karren noch aus dem Dreck zieht, man kann sogar ganz hervorragende Ideen und wahnsinnig hohe Millionen-Beträge haben, mit denen man das bewerkstelligen will. Beim Wünschen und beim Wollen wird es aber bleiben. Paydirekt kam zu spät und Paydirekt geht zu spät. Das ist schade, aber der Payment-Sektor ist kein Wunschkonzert. Das müssten Fachleute, die sich mit Zahlen auseinandersetzen, eigentlich wissen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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