Super Banner Wallpaper

Das Infoportal des Händlerbundes

KATEGORIEN...
Der Online-Shop Bordbar verlauft ausrangierte Flugzeugtrolleys. Im Interview spricht der CEO über die Anfänge des Shops und logistische Herausforderungen.
close button
Flugzeugtrolleys als Designmöbel: „Wenn man die Airline anruft, kann man sich leider nicht mit dem Trolleyverkäufer verbinden lassen.“
| Kategorie: Interviews

Tagtäglich führen Händler und Hersteller den Kampf gegen Plagiate. Vor allem auf Online-Marktplätzen werden immer wieder auch Produktfälschungen angeboten. Felix Nottensteiner will mit seinem Unternehmen Authorized.by seriöse Händler und Produkte kennzeichnen. Wir haben mit ihm gesprochen.

Felix Nottensteiner
© Authorized.by

OnlinehändlerNews: Wie können Kunden generell erkennen, ob ein Händler bzw. ein Produkt seriös ist?

Felix Nottensteiner: Aufgrund der heutzutage sehr ausgereiften „Out-of-the-box“-Shoplösungen und den zugleich günstigen aber doch teilweise sehr professionellen Shoptemplates sind seriöse und betrügerische Anbieter oftmals auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Verbraucher müssen wirklich genau hin schauen, wenn sie nicht Betrügern auf den Leim gehen wollen. Als Gradmesser dienen im Wesentlichen drei Kriterien, auf die man achten sollte. Zum einen sind es die Shopbewertungen anderer Kunden, zum zweiten die rechtliche Rahmenbedingungen seitens des Shops wie z.B. die korrekte Angabe eines vollständigen Impressums etc. und drittens die Tatsache, dass der Shop stabile Geschäftsbeziehungen mit den Herstellern der verkauften Produkte hat.

Für die ersten beiden Punkte gibt es bereits etablierte Mechanismen: Zur Kommunikation des Kundenfeedbacks gibt es verschiedene Lösungsanbieter. Die Bewertungen sind für Online-Shopper leicht zu erkennen und zu überprüfen. Für die Überprüfungen des rechtlichen Rahmens sind entsprechende Gütesiegel etabliert. Doch die Prüfung einer validen Geschäftsbeziehung zwischen Shops und Herstellern war bisher sehr kompliziert. Kaum ein Hersteller listet seine autorisierten Online-Händler klar und übersichtlich auf, oder bietet gar ein verifizierbares Autorisierungs-Symbol. Das wollen wir ändern.

Mit Authorized.by bieten Sie ein Siegel, mit dem Marken ihre offiziellen Handelspartner und ihre Originalprodukte kennzeichnen können. Wie funktioniert das Siegel genau?

Wir haben dazu eine Netzwerk-Plattform auf Basis von API und Blockchain-Technologie entwickelt, die das Managen von Partnerschaften zwischen Marken und Online-Shops ermöglicht. Durch unser markenübergreifendes Autorisierungs-Siegel können somit die stabilen Beziehungen zwischen Marken und Online-Händler fälschungssicher nach außen dokumentiert werden. Der große Mehrwert dabei ist, dass es eine markenübergreifend einheitliche und deshalb für Verbraucher sofort verständliche Auszeichnung autorisierter und damit vertrauenswürdiger Marken-Partner darstellt – fälschungssicher in Echtzeit überprüft.

Einige Hersteller haben bereits den Vertrieb ihrer Produkte auf Plattformen wie Amazon untersagt, da sie hier keine geeignete Umgebung für ihre Markenpräsentation sehen. Können die Hersteller Händlern auf Marktplätzen gezielt das Authorized.by-Siegel verwehren?

Ja, dies ist möglich. Im Prinzip berücksichtigt unsere Lösung jegliche Vereinbarungen zwischen Marken und Händlern. Wir bieten ein Lizenzmanagementcenter, mit dem Marken ihren Produktcontent mit einer entsprechenden Lizenzrahmenvereinbarung versehen können, und diesen dann dem ausgewählten Kreis des Netzwerks, d.h. den autorisierten Händlern, zur vereinbarungsgemäßen Nutzung des Contents zur Verfügung stellen können. Diese Autorisierungsentscheidung der Marken kann selbstverständlich auch an Marktplätze übergeben werden.

Vor allem auf Online-Marktplätzen kommt es immer wieder zu Plagiatsfällen. Wieso sind die Plattformen Ihrer Meinung nach so anfällig für Betrüger und Produktfälscher?

Die enorme Produktvielfalt, die große Reichweite und die einheitliche Produktpräsentation der Plattformen macht es für Betrüger reizvoll und leicht zugleich. Wer achtet bei Amazon schon wirklich darauf, wer das bestellte Produkt im Endeffekt tatsächlich verkauft? Seitdem bei vielen Plattformen die verschiedene Anbieter und Kanäle, zumindest visuell, miteinander verschmolzen wurden, ist für den Kunden häufig kaum erkennbar, wer letztlich der Anbieter eines bestimmten Produkts ist. Damit haben unseriöse Anbieter ein leichteres Spiel.

Welche Maßnahmen sollten Marktplätze und Plattformen ergreifen, um das Problem der Produktfälschungen einzuschränken?

Eine Verbesserung kann hier aus unserer Sicht nur durch die engere Zusammenarbeit mit den Markeneignern erreicht werden. Ein prozessoptimierendes Instrument zur kanalübergreifenden Kennzeichnung autorisierter Händler ist unsere Antwort darauf. Darüber hinaus gibt verschiedene Initiativen seitens der Marken, auf deren Druck sich die Marktplätze Alibaba und Amazon verpflichtet haben, weiter in die Bekämpfung von Produktpiraterie zu investieren. Auch die EU-Kommission will Retailer und Logistiker verpflichten, mehr gegen Produktfälscher zu tun. Doch das reicht nicht, an der Grundproblematik ändert sich nichts. Bisher fehlt es an jeglicher Durchsetzungskraft, gegen die Betrüger im Online-Handel vorzugehen. Jede Marke muss selbst seine Vertriebskanäle kontrollieren. Das ist extrem aufwändig und bindet leider enorm viele Ressourcen. Den Kunden hier zu sensibilisieren halten wir für einen sinnvollen Schritt.

Welche Produktgruppen sind Ihrer Erfahrung nach am stärksten von Produktfälschungen betroffen?

Laut OECD-Bericht betrug der Umsatz mit Produktfälschungen im Jahr 2015 432 Milliarden und für das Jahr 2022 wird mit einer Steigerung auf 931 Milliarden gerechnet. Das Ausmaß zeigt, dass im Prinzip alle Branchen davon betroffen sind. Einerseits sind das hochpreisige Produkte aus dem Luxussegment, weil sich hier durch Produktfälschungen bereits bei einzelnen verkauften Plagiaten sehr hohe Margen erzielen lassen. Andererseits sind aber auch Massenprodukte wie Sportartikel betroffen, da hier die Nachfrage groß ist. Laut dem Europol-Report „Counterfeiting and Piracy in the European Union“ von 2017 waren in der Sportartikelbranche die häufigsten Fälle von Produktpiraterie im Jahr 2015 gefakte Sportschuhe mit einem Anteil von 17 Prozent.

 

Geschrieben von Michael Pohlgeers
ARTIKEL WEITEREMPFEHLEN
570 mal gelesen
ÄHNLICHE ARTIKEL

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren