Fulfillment by Amazon

So optimieren Amazon-Händler ihren Lagerbestandsindex

Veröffentlicht: 14.08.2020 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 14.08.2020
Mann vor Laptop im Lager

Mit dem Lagerbestandsindex (LBI) stellt Amazon fest, wie gut ein Amazon-Händler seinen FBA-Lagerbestand auf den jeweiligen Länder-Marktplätzen im Griff hat. Dabei kommen unter anderem die Faktoren Überbestand, Durchverkauf, Lagerbestand ohne aktives Angebot und vorrätiger Lagerbestand zum Tragen. 

OnlinehaendlerNews erhielt nach Amazons jüngster Anpassung des LBI an das Weihnachtsgeschäft Feedback von Marktplatz-Händlern, die Probleme mit ihrem LBI haben – obwohl sie Amazons Richtlinien dazu einhalten. „Seit einer Woche versuchen wir den Lagerbestandsindex zu verbessern. Leider erfolglos bzw. sogar mit negativen Auswirkungen“, heißt es in einer E-Mail. „Amazon hilft da nicht wirklich weiter“, meint ein weiterer Händler. Wir haben bei Amazon-Experten und bei Amazon selbst nachgefragt.

Was können Amazon-Händler tun, wenn der LBI unter 500 fällt?

Vor allem durch die Coronakrise, den bevorstehenden Prime Day – dessen genauer Termin immer noch unklar ist – und das Weihnachtsgeschäft stehe Amazon vor einer enormen Herausforderung, erklärt Stephan Bruns von der Agentur Revoic. „Seller die derzeit einen Index von unterhalb 500 haben, sollten kritisch prüfen, welche 'Langsamdreher' im Bestand liegen. Hier sind wahrscheinlich Artikel dabei, die sich aktuell sehr schlecht oder gar nicht verkaufen. Amazon hat verständlicherweise in diesen Tagen erst recht kein Interesse an der Lagerung von Waren, die sich kaum verkaufen.“

Amazon-Seller sollten kostenlose Rücksendung nutzen

Derzeit bietet Amazon kostenfreie Remissionen an – Händler, deren LBI-Wert unter 500 Punkte fällt, sollten also diese Produkte zurückholen und Platz für die wirklich wichtige Ware machen, empfiehlt Bruns. Das rät auch Katja Bell von amzscoop. Außerdem sollten die Amazon-Händler die automatische Remission bei nicht verkaufbareren Einheiten und Langzeitlagerung aktivieren, gezielt Werbung auf Überbestand und Langsamdreher schalten oder diese Artikel gegebenenfalls komplett aus dem FBA-Programm nehmen und selbst versenden. Wichtig sei auch ein gutes Forecasting für die Schnelldreher.

Um Amazons Logistik-Problemen wie in Coronazeiten aus dem Weg zu gehen, sollten Händler sich im anstehenden Weihnachtsgeschäft um Alternativen kümmern, rät Bruns. „Seller sollten die Zeit jetzt nutzen, um Fall-Back-Lösungen aufzubauen.“

Auch Amazon hat auf Nachfrage von OnlinehaendlerNews zum Thema Lagerbestandsindex reagiert. Ohne konkrete Angaben zu den jeweiligen Verkäufern könne man einem möglichen Problem jedoch nicht nachgehen, so eine Sprecherin.

So können FBA-Händler ihren Lagerbestandsindex verbessern

Katja Bell noch einmal detailliert zusammengefasst, wie Online-Händler ihren LBI bei Amazon hoch halten können:

Überbestand

  • Sorgen Sie dafür, möglichst keinen alternden Lagerbestand zu haben, d. h. keine Artikel, die länger als 90 Tage auf Lager liegen (Ausnahme sind hier natürlich saisonale Artikel, die sicherheitshalber bevorratet wurden). Insbesondere sehr alter Lagerbestand, d. h. zwölf Monate oder älter, wirkt sich negativ auf den LBI aus und kostet außerdem zusätzliche Langzeitlagergebühren.

Durchverkauf

  • Nicht alle Artikel werden gleich schnell abverkauft. Bei Langsamdrehern kann es sich empfehlen, diese aus dem FBA-Programm zu nehmen und selbst zu versenden. Alternativ können intensivere Werbekampagnen oder auch externer Traffic speziell auf solche Artikel geschaltet werden.

Lagerbestand ohne aktives Angebot

  • Es empfiehlt sich, solchen Lagerbestand regelmäßig zu prüfen und gleichzeitig die automatische Remission nicht verkaufbarer Einheiten zu aktivieren. Damit können Einheiten ohne aktives Angebot automatisch an den Verkäufer zurückgesendet oder auch entsorgt werden. Achtung: Es gibt Grund zu der Annahme, dass Amazon nicht alle Lagerbestandseinheiten tatsächlich „entsorgt“, sondern teilweise selbst verkauft, z. B. als Amazon Warehouse Deals (B-Ware).

Vorrätiger Lagerbestand

  • Die Schnelldreher, also beliebte Artikel, sollten stets auf Lager und verkaufbar sein. Es empfiehlt sich daher ein sauberes Forecasting, unterstützt von Amazons Empfehlungen, wobei die von Amazon empfohlene Stückzahl sich auf die voraussichtlichen Verkäufe der nächsten 90 Tage bezieht. Wer nicht so viel Ware auf Lager legen möchte, kann den Bedarf für 30 bis 45 Tage abschätzen und regelmäßig und zeitnah nachliefern.

Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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Kommentare  

#1 Olip 2020-08-19 15:30
Das scheint aber bei weitem noch nicht abschließend zu sein.

Amazon täte gut daran darüber zu informieren ob auch "Leichen" die als "FBA" gelistet sind aber schon seit langem nicht mehr gehandelt werden trotz monatelangem Nullbestand sich auch negativ auf den LBI auswirken.
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