Whitepaper Corona-Strategie

Das sollten Amazon-Händler in der Coronakrise tun

Veröffentlicht: 14.04.2020 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 14.04.2020
Schachfiguren Corona Strategie

Die Coronakrise stellt die ganze Welt vor neue Herausforderungen – auch Amazon und seine Marktplatz-Händler. So musste Amazon etwa seinen FBA-Service für bestimmte Produkte einschränken, um in der Krise wichtigere Artikel bevorzugt zu behandeln. Auch der Prime Day soll verschoben werden, weil Amazon wohl den Ansturm der Bestellungen nicht schaffen würde.

Das Kölner Unternehmen Vorwärts, das Händlern Amazon-Tools und -Services anbietet, hat jetzt ein Whitepaper erstellt, das Amazon-Händlern (Seller und Vendoren) Möglichkeiten zeigt, mit der schwierigen Situation fertig zu werden. Die Empfehlungen sind derzeit auf dem Stand vom 31. März, sollen jedoch jeweils aktualisiert werden. Die Informationen daraus stammen unter anderem von Olaf Schmitz, ehemaliger Head of Business Development Amazon Europe, der jetzt Gesellschafter und Beiratsmitglied bei der Vorwärts GmbH ist.

Asiatische Anbieter werden unter Coronakrise besonders leiden

Olaf Schmitz geht davon aus, dass die Kunden, sobald sich die Einschränkungen wieder lockern, Lebensmittel und servicenahe Produkte aus den Kategorien DIY / Baumarkt, Home / Wohnen, Garten & Freizeit sowie Gesundheit / Wellness wieder vermehrt im stationären Handel kaufen werden. Allerdings könnte generell „der Online-Einkauf gerade bei ursprünglichen Gelegenheitsshoppern vermehrt zur Gewohnheit werden“, so die Prognose.

Weltweit werden die Nutzer eher wieder auf lokale Anbieter und Marken zugreifen, so Schmitz' Einschätzung. Darunter werden wohl vor allem asiatische Unternehmen leiden, wie es auch später heißt: „Es ist davon auszugehen, dass sich ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Verbraucher vor chinesischen und italienischen Waren bewusst oder unterbewusst ängstigt.“

Amazons Chancen und Gefahren in der Coronakrise 

Trotz der Krise wird der E-Commerce insgesamt profitieren und die „insgesamt rückläufige Kaufkraft zumindest im B2C-E-Commerce überkompensieren“, heißt es. Größter Profiteur wird – wie sich auch jetzt schon zeigt – Amazon sein. Doch auch der E-Commerce-Riese muss kämpfen: Zwar würden die Warenkörbe im Schnitt um rund 20 Prozent steigen – sie enthielten aber auch bis zu 240 Prozent mehr Produkte! Aus diesen Gründen kommt auch Amazon an die Grenzen seiner logistischen Kapazität, wie sich bereits zeigte.

Fulfillment: Das können Amazon-Händler jetzt tun

So gehen die Experten im Whitepaper davon aus, dass die bestehenden Einschränkungen bei Amazons Fulfillment (FBA) noch bis zu drei Monate andauern können. Das beträfe sowohl die die Einlagerung neuer Waren als auch den Versand zum Endkunden. Daher profitieren derzeit Seller und Vendoren, die eigene Fulfillment-Kapazitäten aufgebaut oder sich solche bei einem Drittanbieter gesichert haben. Die Vorwärts-Experten raten daher zu Kooperationen mit Händlern, die ein eigenes Fulfillment betreiben.

Und so können Händler Seller finden, die ähnliche Produkte anbieten: „Ersetzt man in der URL einer Produktdetailseite auf Amazon das „/dp/“ oder „/gp/“ durch ein „/dp/offer-listing/“, gelangt man zu einer Liste aller Seller, die mit den Produkten einer Marke vertraut sind.“ Auch eine Zusammenarbeit mit Unternehmen, die bislang noch keine Handelswaren anbieten, kann Sinn machen, wenn diese wegen Supply-Chain-Problemen ihr eigenes Fulfillment nicht auslasten können. 

Amazon-Händler müssen bestimmte Produkte loswerden

Jeder Händler muss sein eigenes Sortiment nun auf den Prüfstand stellen, die wichtigste Frage sei: „Sind Produkte vorhanden, die sich in drei Monaten nicht mehr verkaufen lassen?“ Dazu zählen unter anderem:

  • Produkte mit Mindesthaltbarkeitsdatum

  • Luxusgüter

  • Koffer

„Produkte mit hohem Warenbestand, die sich mit anhaltender Krise schlechter bis gar nicht mehr verkaufen lassen, sollten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abverkauft werden“, so die dringende Empfehlung.

So sollten Seller und Vendoren Produkte in der Coronakrise verkaufen

Generell raten die Experten je nach Produktkategorie zu folgender Vorgehensweise:

  • Stark nachgefragte Produkte, die sich auch in Krisenzeiten verkaufen lassen, nachordern bzw. mit hoher Priorität produzieren, falls möglich.

  • Produkte, die sich derzeit noch gut verkaufen lassen, aber deren Absatzpotential in den kommenden Monaten ungewiss ist, zu normalen Konditionen abverkaufen, aber lediglich in stark reduzierter Stückzahl nachordern bzw. produzieren.

  • Produkte, die sich bereits jetzt nur noch schleppend verkaufen lassen, bis auf Weiteres nicht mehr nachordern oder produzieren und über Marketingaktionen und/oder Preisnachlässe schnellstmöglich abverkaufen.

Die Coronakrise könnte außerdem auch eine Chance für Unternehmen sein, bisher aufgeschobene Projekte wie Aufräummaßnahmen und die Entwicklung neuer Technologien anzugehen, so ein weiterer Tipp. 

Das komplette Vorwärts-Whitepaper „COVID-19: AUSWIRKUNGEN AUF DIE AMAZON-STRATEGIE VON UNTERNEHMEN“ (pdf, 35 Seiten) kann man hier runterladen. Darin beschreiben die Experten unter anderem sinnvolle Maßnahmen für Unternehmen in den Bereichen Amazon-Werbung, Content Marketing und Fulfillment.

Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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