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Abschlussbericht Sektoruntersuchung

Bundeskartellamt fordert mehr Einsatz gegen Fake-Bewertungen

Veröffentlicht: 06.10.2020 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 06.10.2020
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Wer online etwas kaufen will, ist meist dankbar für hilfreiche Hinweise anderer Nutzer. Produktbewertungen bzw. Kundenrezensionen können kaufentscheidend sein – aber die Beiträge stecken auch voller Probleme: Gekaufte Bewertungen und Fakes schaden sowohl den jeweiligen Marktplätzen bzw. Plattformen als auch den Nutzern.

Das Bundeskartellamt hat daher das Thema seit 2019 in einer sogenannten Sektoruntersuchung unter die Lupe genommen und jetzt den Abschlussbericht vorgelegt, wie die Behörde verkündet

Amazon, Ebay und Co. sollen mehr Verantwortung übernehmen

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, erwartet von den Anbietern mehr Einsatz im Kampf gegen Fake-Bewertungen: „Verkaufs-, Buchungs- und Bewertungsportale oder auch Suchmaschinen müssen in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Fake-Bewertungen durch technische Filter- und Analysemethoden aufzuspüren und zu löschen“, so die Forderung.

Dabei fechten Marktplätze wie etwa Amazon und Ebay schon seit längerem einen Kampf gegen Windmühlen: Trotz vieler Innovationen gegen gefälschte Bewertungen finden sie sich immer noch massenhaft. So hat Amazon erst im September im Vereinten Königreich rund 20.000 solcher Fake-Rezensionen gelöscht.

Das Bundeskartellamt kritisiert, dass die meisten Portale bislang lediglich Wortfilter nutzen oder sich auf nachträgliche Meldungen von auffälligen Bewertungen verlassen. Noch zu wenige – wie etwa Amazon – würden auf Machine Learning setzen oder die Produktbewerter vorab prüfen.

Vorschlag: Mehr echte Nutzer zu Bewertungen motivieren

Eine weitere Idee der Behörde: Die Portale sollen ehrliche und echte Nutzer dazu motivieren, mehr authentische Bewertungen abzugeben – etwa durch Gutscheine, Gewinnspiele oder kleinere Geldbeträge. Doch auch das dürfte Nutzer teils dazu verleiten, schnell etwas zu bewerten, um dann das Benefit einzuheimsen. 

Denn gerade derartige Belohnungen bestimmen bereits das Geschäft mit den Fake-Bewertungen: Dienstleister bieten Händlern und Unternehmen gefälschte positive Nutzer-Bewertungen im Web zum Kauf an, deren Verfasser erhalten kostenlos Produkte oder eben eine Prämie. Das Geschäft mit den Fake-Bewertungen hat ein Online-Händler, der sich in derartige Gruppen geschlichen hat, bei OnlinehändlerNews ausführlich beschrieben. Auch Bots, automatisierte Programme, kommen zum Einsatz. 

Wie kann ich Fake-Bewertungen erkennen?

Nutzer können Fake-Bewertungen jedoch auf die Schliche kommen. Kartellamts-Präsident Mundt rät: „Achten Sie auf mögliche Hinweise wie übertriebene Sprache und wiederkehrende Muster, lesen Sie möglichst viele verschiedene Bewertungen und befassen Sie sich aufmerksam mit den Hinweisen, die manche Portale über die Verfasser der einzelnen Bewertungen machen.“ Alle Tipps, wie man Fake-Rezensionen erkennen kann, gibt es auch in diesem Video: 

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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