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Kolumne: Amazon scheut sich vor negativem Feedback – darunter leidet die Transparenz!

Veröffentlicht: 26.10.2018 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 26.10.2018

Irgendwie kann ich mir nicht mehr vorstellen, ein Produkt im Internet zu kaufen, ohne mir vorher entsprechende Produktrezensionen durchzulesen. Und zwar die Guten und die Schlechten! Als „Spontankäufer“ würde ich mich eher nicht bezeichnen, weil ich bei einem Kauf das Gefühl brauche, dass ich mich wirklich für das RICHTIGE Produkt entschieden habe. Und Rezensionen geben mir häufig genau jene Details, die mir reine Produktbeschreibungen eben nicht unbedingt geben können.

So berichten andere Käufer in Rezensionen beispielsweise über ihre Erfahrungen mit einem Produkte und über potenzielle Einsatzmöglichkeiten, über Gerüche, das Gefühl beim Anfassen, die Qualität und vielleicht auch über potenzielle Abnutzungserscheinungen, die nach einiger Zeit auftauchen können, über Stärken und Schwächen oder auch die Haltbarkeit.

Amazon kämpft seit Jahren mit Produktrezensionen

Trotz der immensen Bedeutung von Produktbewertungen für den Online-Handel und trotz ihrer Fähigkeit, Kaufimpulse zu setzen, hatte Amazon in der Vergangenheit immer wieder kleinere Probleme und sogar größere Skandale mit Rezensionen. Es gab Fälle, in denen positive Bewertungen tausendfach gekauft wurden oder Fälle, in denen Händler versucht hatten, ihre Konkurrenten zu diskreditieren.

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Immer wieder hat der Marktplatzbetreiber in den vergangenen Jahren versucht, Missbrauchsfälle mit verschiedenen Änderungen und Anpassungen einzudämmen. Doch die jüngste Neuerung in dieser Entwicklung ist mir ein wenig schleierhaft: Konnte man als Kunde bisher abstimmen, ob eine Rezension „nützlich“ oder „nicht nützlich“ war, hat Amazon die Option „nicht nützlich“ nun gestrichen.

Negatives Feedback adé! Transparenz adé!

Was bedeutet das für die Produktrezensionen auf Amazon? Es gibt durchaus positive Resonanz auf diese Neuerung. Das Branchenportal t3n schreibt beispielsweise: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Nicht-nützlich-Buttons von Händlern oder Marken auch gezielt dazu genutzt wurden, unbequeme Rezensionen auf der Rezensionsseite nach unten zu verschieben.“ Das heißt also, dass Amazon mit der „Nicht nützlich“-Streichung versucht, böswilliges Abwerten zu verhindern und es jenen Nutzern schwerer zu machen, die das Negativ-Feedback für ihre eigenen Zwecke missbrauchen wollen.

Doch auf der anderen Seite sollte und muss man auch Folgendes bedenken: Wenn das negative Feedback von Rezensionen einfach gestrichen wird, verlieren die Produktrezensionen alles in allem auch ein Stück Transparenz. Eine Rezension, die vor der Streichung acht „Nützlich“-Angaben und 28 „Nicht nützlich“-Angaben hatte und nach der Streichung nur noch acht „Nützlich“-Angaben vorweist, vermittelt einen ganz anderen Eindruck. Sie verliert quasi ein Stück weit ihrer Wirkung und Authentizität.

Anders formuliert: Wenn es die Möglichkeit nicht mehr gibt, inhaltsleere und vielleicht auch ungerechte Rezensionen als „Nicht nützlich“ zu kennzeichnen, dann wird es für die Kunden künftig schwieriger oder zumindest zeitaufwendiger, relevante von nicht-relevanten Rezensionen zu trennen. Plausibel ist das in meinen Augen deshalb nicht unbedingt.

Dass Amazon allerdings grundsätzlich versucht, dem Missbrauch bei Rezensionen Einhalt zu gebieten, kann man nur befürworten. Nur der richtige und effektive Weg, dies zu erreichen, scheint irgendwie noch nicht gefunden.

Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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