Wir wurden gefragt: In welcher Sprache hat die Kennzeichnung von Textilien zu erfolgen?

Veröffentlicht: 17.09.2014 | Geschrieben von: Yvonne Bachmann | Letzte Aktualisierung: 23.09.2014

Neulich erreichte uns die Frage, ob beim Verkauf von Textilien, z.B. von englischen Firmen, die ausschließlich eingenähte „Fähnchen“ mit der Stoffzusammensetzung in englischer Sprache verwenden, zu Problemen kommen könne. „Darf ich diese einfach ersetzen mit deutschsprachigen Texten und wenn ja wie? Mit Aufkleber, oder komplett neue Fähnchen einnähen lassen. Oder geht auch ein Beiblatt mit den Übersetzungen?“ so die konkrete Frage des Händlers weiter.

Fragen

Zwar ist die Textilkennzeichnung primär eine Herstellerpflicht. Händler, die Textilartikel verkaufen, deren Kennzeichnung nicht den gesetzlichen Vorgaben aus der Textilkennzeichnungspflicht entsprechen, können aber ebenso eine Abmahnung erhalten.

In welcher Sprache ist die Textilkennzeichnung am Produkt anzubringen?

Gemäß Artikel 16 der EU- Verordnung Nr. 1007/2011 (sog. Textilkennzeichnungsverordnung) muss die Kennzeichnung grundsätzlich in der Amtssprache oder den Amtssprachen des Mitgliedstaats, in dessen Hoheitsgebiet die Textilerzeugnisse dem Verbraucher bereitgestellt werden, erfolgen.

Textilprodukte, welche den deutschen Verbrauchern bereitgestellt werden, sind also in deutscher Sprache zu kennzeichnen. Entsprechend sollten dann auch die Angaben im Online-Angebot in deutscher Sprache erfolgen.

Wird EU-weit versendet, muss zumindest das eingenähte „Fähnchen“ o.ä. auch die Textilkennzeichnung in den jeweiligen Ziel-Landessprachen tragen. Ob die entsprechenden Angaben auch im Online-Handel in der jeweiligen Landessprache zu erfolgen hat, ist in der juristischen Fachdiskussion nicht geklärt. Auch Rechtsprechung liegt dazu noch nicht vor.

Antwort:

Die Textilkennzeichnung des Produktes in Englisch reicht daher nicht, wenn die Textilerzeugnisse in Deutschland vertrieben werden. Hier muss die Textilkennzeichnung (zumindest zusätzlich) in Deutsch erfolgen.

Kann die Textilkennzeichnung durch einen Aufkleber oder ein Beiblatt erfolgen?

Außerdem interessierte den Händler noch, wie die korrekte Kennzeichnung nun nachgeholt werden könne: durch einen Aufkleber oder ein Beiblatt mit den Übersetzungen? Sind die erforderlichen Angaben noch nicht vom Hersteller gemacht, müssen Händler selbst nachbessern, was in der Praxis mit einem enormen zeitlichen und kostenintensiven Aufwand verbunden sein kann.

Gemäß Artikel 4 der Textilkennzeichnungsverordnung dürfen Textilerzeugnisse nur dann auf dem Markt bereitgestellt werden, wenn sie etikettiert oder gekennzeichnet sind. Die Etikettierung und Kennzeichnung von Textilerzeugnissen muss dauerhaft, leicht lesbar, sichtbar, zugänglich und — im Falle eines Etiketts — fest angebracht sein.

Antwort:

Die Textilkennzeichnung mit einem Aufkleber oder Beiblatt ist nicht statthaft.

Kommentare  

#4 Redaktion 2014-09-29 14:54
Sie können die Produkte durchaus weiter verkaufen, allerdings erst, nachdem Sie diese entsprechend sachgerecht umetikettiert oder gekennzeichnet haben. Im Internet gibt es spezielle Dienste, welche auch Textiletiketten für solche Zwecke anfertigen.

Die Redaktion
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#3 Allen 2014-09-29 11:55
Hallo Redaktion,

danke für den Antwort-Kommentar.

Heisst dies also im Klartext, wenn ein Händler Ware vom Lieferanten bekommt mit unzureichendem eingenähtem "Stoff-Fleck" (z.B. Angaben nur in Englisch), dass man keine Möglichkeit hat diese nachträglich richtigt zu "etikettieren/kennzeichnen"?

Somit könnte man das Produkt überhaupt nicht auf dem Deutschen Markt vertreiben, oder?

Freundliche Grüße
Allen
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#2 Redaktion 2014-09-29 09:38
Lieber Allen,

leider ist die Kennzeichnung von Textilien aus Händlersicht sehr streng: wie der Artikel bereits ausführt, müssen Textilien etikettiert oder gekennzeichnet sein. Dies muss dauerhaft, leicht lesbar, sichtbar, zugänglich und im Falle eines Etiketts fest angebracht sein.
„Etikettieren“ meint hierbei einen fest am Textilerzeugnis angebrachten Hinweis (wie z.B. der fest vernähte Stoff-Fleck mit der Textilkennzeich nungsangabe an Bekleidungsstücken).
„Kennzeichnen“ meint hingegen, dass der Hinweis zur Textilzusammens etzung auf das Produkt aufgenäht/ aufgestickt/ gedruckt/ geprägt oder anderweitig fest angebracht ist.
Ein Anhänger mit Sicherheitsnade l o.ä. Befestigung genügt daher nicht.


Die Redaktion
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#1 Allen 2014-09-28 19:25
Hallo,

ich wollte mal nachfragen, wie nun eine praktikable Lösung auszusehen hat, wenn kein Aufkleber oder Beiblatt den Vorschriften genügt, ggf. ein Hangtag oder?

Danke für ein Feedback, denn dies geht leider aus Ihrem Artikel nicht hervor ;-)

Freundliche Grüße
Allen
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