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Coronakrise

Die Bundesregierung will Kleinstunternehmer mit Milliardenpaket unterstützen [Update]

Veröffentlicht: 20.03.2020 | Geschrieben von: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 24.03.2020
Kleinstunternehmerin im Online-Handel

Zwar bestellen aufgrund der Schließung stationärer Geschäfte, die nicht lebensnotwendige Güter verkaufen, aktuell immer mehr Menschen online. Dennoch führt das Corona-Virus aktuell bei knapp der Hälfte aller Online-Händler bereits zu Umsatzeinbußen, wie jüngst die Corona-Studie des Händlerbundes zeigte. Probleme bei der Warenverfügbarkeit und Unterbrechungen bei der Beschaffung sowie mögliche Verzögerungen im Versand und gegebenenfalls höhere Lieferkosten insbesondere für Waren aus dem Ausland treffen vor allem die kleinsten Betriebe – wer zusätzlich ein stationäres Geschäft betreibt, dem fehlt derzeit zudem der Umsatz durch Laufkundschaft. Wichtige Veranstaltungen und damit Kontaktmöglichkeiten sind abgesagt. Auch sind viele Menschen zudem selbst aktuell finanziell in einer schwierigen Situation, weshalb Bestellungen gegebenenfalls eine ganz andere Größenordnung haben können.  

Einzelne Selbstständige und Kleinstunternehmer in dieser, aber auch in vielen anderen Branchen, treffen derartige wirtschaftliche Folgen des Coronavirus wirtschaftlich besonders stark. Diesen will die Bundesregierung nun mit einem Hilfspaket unter die Arme greifen.

Hilfspaket für Selbstständige und Betriebe mit maximal zehn Beschäftigten

Das Rettungspaket der Bundesregierung soll von der Coronakrise betroffenen Solo-Selbstständigen sowie Kleinstunternehmern mit bis zu zehn Beschäftigten zugute kommen, informierte zunächst der Spiegel. Am Vormittag habe nun der Corona-Ausschuss des Bundeskabinetts getagt, nach Angaben der Welt solle nun das entsprechende Hilfspaket zügig auf den Weg gebracht werden. Geplant seien direkte Zuschüssen, wahrscheinlich in Höhe von 10 Milliarden Euro sowie Darlehen mit einem Gesamtwert von 30 Milliarden.  

Das Geld solle hierbei aus einem „Solidaritätsfonds“ stammen, dabei handele es sich um ein Sondervermögen, das selbstständig Kredite aufnehmen dürfe: „Weil das Sondervermögen über die Bonität des Bunds verfügt, kann es sich die Mittel billig leihen und entsprechend günstig an Betroffene in der Coronakrise weitergeben“, erklärt der Spiegel das Verfahren. Die Pläne hierzu stammen vom Bundesfinanz- und vom Bundeswirtschaftsministerium. 

Eine Verteilung der Mittel solle auf schnellem und unbürokratischem Wege erfolgen.

Update: Mittelvergabe für Direktförderung möglicherweise über Banken – Bund und Länder beraten

Bund und Länder diskutieren aktuell noch, wie die Soforthilfen zur Verfügung gestellt werden können. Einen möglichen Ansatz, wie Unternehmen die Direktförderung erhalten könnten, erklärte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) aktuell im Interview mit Deutschlandfunk: „Da viele Länder in Deutschland auch Programme abwickeln, ist zum Beispiel die Idee, die wir heute zu Ende besprechen wollen, ob das nicht möglicherweise von den Förderbanken der Länder verwaltet werden kann, denn die machen dann ja auch die Förderprogramme der Länder, so dass man nicht sich an mehrere wenden muss.“ Seiner Ansicht nach solle man dies idealerweise bei der Bank erledigen können, bei der man auch wegen eines Kredits nachfragt. 

Das Kreditprogramm, durch das Banken trotz der riskanten Lage Darlehen vergeben können, sei zudem nun „scharf geschaltet“, so Scholz. Diese sollen die Banken vergeben, bei denen man ohnehin ein Konto habe.

Wir haben zudem weitere Hinweise zu finanziellen Förderungen und staatlichen Hilfen für Händler bzw. Unternehmen zusammengestellt. 

Finanzielle Unterstützung für Selbstständige in Berlin

Für Einzel-Selbstständige in Berlin könnte es finanzielle Unterstützung durch den regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) geben, wie der Tagesspiegel berichtet. Im Rahmen dieser Maßnahme sollen vor allem Personen aus der Kreativbranche, aber auch aus weiteren Branchen je 15.000 Euro erhalten, die bislang nicht durch aktuelle Förderprogramme oder Steuerermäßigung begünstigt wurden.  

Weitere Unterstützung notwendig 

Neben der Bereitstellung von Soforthilfen seien Händler nach Ansicht des Händlerbundes auch auf weitere Unterstützung und Informationen angewiesen. Der Onlinehandelsverband forderte daher aktuell in einem offenen Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) weitere Maßnahmen. Dazu zähle etwa, die aktuelle Drei-Wochen-Frist der Insolvenzordnung für betroffene Unternehmen einstweilen auszusetzen oder Händler bei Steuervorauszahlungen zu entlasten. Gleichsam müsse die Bundesregierung die Infrastruktur und damit wichtige Versorgungswege und Lieferketten aufrechterhalten und klar Strategien zum Umgang mit sowie Prognosen zur Dauer der Corona-Krise kommunizieren. 

Über die Autorin

Hanna Behn Expertin für: Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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Kommentare  

#13 Redaktion 2020-03-23 12:05
Hallo G.Schmidt,

vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Einschätzung. Bayern hat hier eindeutig eine Vorreiterrolle übernommen. Mittlerweile können in zahlreichen Bundesländern über die jeweiligen Aufbau- bzw. Förderbanken entsprechende Zuschüsse beantragt werden, wir werden dazu auch nochmal gesondert berichten.

Viele Grüße,
Hanna Behn
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#12 Tobias 2020-03-21 00:26
"Für Einzel-Selbstst ändige in Berlin könnte es finanzielle Unterstützung durch den regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) geben, wie der Tagesspiegel berichtet."

Berlin ist ein "failed state" und vollkommen pleite. Gäbe es den Finanzausgleich nicht, wäre Berlin kaputt. Die Unterstützung kommt außerdem nicht von "Michael Müller (SPD)", sondern vom Steuerzahler, und nicht vom Berliner Steuerzahler. Das muss ganz klar sein.
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#11 Heidemann 2020-03-20 16:04
also wenn das so ist ,wie beim Mittelstand über die "kfw" - Bank - einfach sieht wohl anders aus ?
wer schon früher keine große Bonität oder als Kleinstunterneh mer keinen Business-Plan hatte (z.B. als Online-Händler) der wird wohl wie immer leer ausgehen !
was aber insgesamt auch besser ist - was ist das für Hilfe - wenn ich noch Kredite aufnehmen muss um meine Angestellten usw. zu bezahlen ?
bei nur einen Prozent und wieviel Courtage ? - wer verdient noch an der Krise ?
selbst bei Null Gebühren - von welchen Einnahmen - wieviel Jahrzehnte lang soll man diese Kredite zurückzahlen ? (und keiner weiß wie lange das dauert - also für 3 Monate ? 6 oder 9 ?)
ein wirklich fähiger Staat würde alles einfrieren (allen voran die Zocker-Börsen) und dann die wirklich anstehenden Kosten übernehmen (nicht mehr und nicht weniger)
und wenn wir aus diesen Alptraum aufwachen - liegen Deine Schuldscheine in amerikanischen Tresoren mit 100 Prozent Aufgeldern ? (natürlich alles übertrieben)
Apropos bei "Deinen" Geldinstitut - wie soll das gehen - die Hälfte der Banken /Sparkassen-Fil ialen haben in Berlin wohl schon geschlossen ,und das soll dann alles Online Funktionieren ?
ohne Vorlage von Papieren ?
naja da bin ich aber gespannt !
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#10 GSchmidt 2020-03-20 15:47
Hallo Frau Behn,
es ist schon erstaunlich daß einige Menschen in Deutschland gleicher als gleich sind. Während im ganzen Land viele Kleinunternehme r und Selbständige täglich um ihre Existenz bangen, weil im Prinzip außerhalb von Bayern nur von Tag zu Tag geredet wird und nichts passiert. Sie wisse nnicht wie es weitergehen soll und in Bayern stellt man ab heute Zuschüsse ab 5000,- Euro für Betroffene zur Verfügung. Wie kann das sein das in einem Land Menschen unterschiedlich behandelt werden und im Prinzip mit diesen Hilfen Menschen aus Bayern stark gegenüber anderen Bundesländern im Vorteil sind? Wo bleibt da der Zusammenhalt, die Solidarität in dieser Krise wenn ein Teil der Bevölkerung bevorzugt wird?

Mit freundlichen Grüßen
G.Schmidt
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#9 Redaktion 2020-03-20 14:05
Hallo Sandra,

aktuell sind noch keine Einzelheiten bezüglich der Voraussetzungen bekannt.
Wir bleiben aber am Ball und werden euch informieren, sobald wir mehr wissen.

Beste Grüße
die Redaktion
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#8 Sandra 2020-03-20 13:42
Hallo,
ich habe ein Gewerbe und arbeite Vollzeit.
Trotz meines Vollzeiteinkomm ens reicht das
nicht um alle Kosten zu decken.
Ich bin nun seit über 10 Jahren selbständig und
bestreite durch diese Selbständigkeit ebenfalls
den Lebenunterhalt, bzw. gleiche dadurch den
Fehlbetrasg aus.

Aufgrund der Krise sind die Einnahmen aus dieser
Selbständigkeit gen NULL gegangen.
Was ist denn mit solchen Menschen wie mit mir ?
Bekommen wir auch diese Förderung ?
Grüße
Sandra
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#7 Sandra 2020-03-20 13:33
Hallo,
ich habe ein Gewerbe und arbeite Vollzeit.
Trotz meines Vollzeiteinkomm ens reicht das nicht um alle kosten zu decken.
Ich bin nun seit über 10 Jahren selbständig und bestreite durch diese Selbständigkeit ebenfalls den Lebenunterhalt, bzw. gleiche dadurch den Fehlbetrasg aus.
Aufgrund der Krise sind die Einnahmen aus dieser selbständigkeit gen NULL gegangen.
Was ist denn mit solchen Menschen wie mit mir ?
Bekommen wir auch diese Förderung ?
Grüße
Sandra
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#6 Redaktion 2020-03-20 12:14
Hallo Mirko,

für Unternehmen mit Beschäftigen wurden die Anforderung zur Kurzarbeit herab gesetzt. Außerdem gibt es beispielsweise in Bayern Soforthilfen.

Das kannst du hier im ersten Absatz lesen:
https://www.onlinehaendler-news.de/online-handel/praxistipps/132625-coronakrise-was-haendler-jetzt-wissen-muessen

Mit besten Grüßen
die Redaktion
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#5 Redaktion 2020-03-20 12:11
Hallo,

wir verstehen, dass ihr alle wissen wollt, wir die Unterstützung praktisch vollzogen wird.
Derzeit können wir dazu leider nichts konkretes sagen, da es sich lediglich um einen Plan handelt, der erst noch in die Praxis umgesetzt wird.

Wir bleiben natürlich am Ball und informieren euch, sobald wir Neuigkeiten haben.

Mit besten Grüßen
die Redaktion
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#4 Pia Quehl-Clasen 2020-03-20 11:34
Tja in der Tat gibt es Logistikproblem e bei kleineren Firmen, Läden die sonst beliefert werden, kaufen nichts, da keine Laufkundschaft mehr vorhanden ist. Privatpersonen halten sich zurück. Es sind für alle schwere Zeiten, die hoffentlich nicht solange anhalten. Die Hilfe der Bundesregierung ist wahrscheinlich schwierig zu erhalten. Ich kann mir nicht vorstellen, wie und was alles geprüft werden muss, um dort Unterstützung zu erhalten.
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