Studie von Profitero und Pattern

Amazon-Händler klagen über Preis-Erosion, Logistik und Geschäftsbedingungen

Veröffentlicht: 30.09.2021 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 04.10.2021
Amazon-Seite

Viele Marktplatz-Händler verbindet mit Amazon eine gewisse Hassliebe: Sie profitieren von der Reichweite des E-Commerce-Riesen, leiden aber auch unter dem Gebahren und den Regeln des Platzhirsches. Das zeigt sich jetzt einmal mehr in einer Studie der E-Commerce-Unternehmen Pattern und Profitero. In der Studie wurden Händler von 56 Marken befragt, die auf den europäischen Amazon-Marktplätzen sowie auf denen im Nahen Osten und Afrika (EMEA-Region) in verschiedenen Modellen und Kategorien verkaufen. Rund 60 Prozent handeln auch über den deutschen Amazon-Marktplatz. Die Hälfte der befragten Händler nutzt dabei das sogenannte Vendoren-Modell, bei dem sie ihre Waren direkt an Amazon selbst verkaufen, der Rest ist als Drittanbieter auf den Marktplätzen unterwegs.

Die größten Probleme von Amazons Händlern

Generell schätzen 45 Prozent der interviewten Händler die professionelle Zusammenarbeit mit Amazon positiv ein. Allerdings sieht ein Viertel der Händler das auch negativ, ein weiteres Viertel neutral. Die größten Knackpunkte beim Handel mit Amazon sind demnach die Preis-Erosion auf dem Marktplatz (59 Prozent), die komplexe oder teure Logistik von Amazon (54 Prozent) sowie die ungünstigen Geschäftsbedingungen generell (54 Prozent). 53 Prozent stört auch der fehlende direkte Kontakt zum Amazon-Support. Wenig bis gar nicht problematisch sind für Händler dieser Umfrage hingegen fehlende Kundenrezensionen und Produkt-Fälschungen – wobei etwa der Bewertungsbetrug auch eines der immer wieder kehrenden Problemfelder auf dem Marktplatz ist.

In der immer noch andauernden Phase der Corona-Pandemie hatten die Amazon-Anbieter mit spezifischen Hürden zu kämpfen. Hauptsorge in der Corona-Krise: Die Lieferungen in Amazon-Warenhäuser. 66 Prozent der Händler hatten Probleme, ihre Waren dorthin zu bekommen. Nach den genauen Gründen wurde nicht gefragt, Amazon hat diverse Fehler bei den Auffüllbeschränkungen aber bereits eingestanden. Die Hälfte der Händler benannte auch Probleme in der eigenen Lieferkette.

Amazon-Händler sind optimistisch und wollen expandieren

Trotz der Kritikpunkte blicken viele Amazon-Anbieter aber eher positiv in die Zukunft: 54 Prozent sind optimistisch, dass ihr Amazon-Business in den nächsten zwei bis fünf Jahren noch profitabel ist – aber 34 Prozent sind unsicher. Ein Großteil will mit Amazon weitere Schritte gehen: 45 Prozent wollen mit dem dominierenden Marktplatz international expandieren, vor allem nach Asien. Nur zwei Prozent wollen gar nicht mehr auf Amazon verkaufen.

Ein Fazit der Studie ist wenig überraschend oder neu: Händler und Marken brauchen in jedem Fall innerhalb aller ihrer Verkaufskanäle unbedingt eine eigene Amazon-Strategie und Experten dafür. Die Herausforderungen für Lieferungen sind vor allem durch Brexit und Corona gewachsen, die Nutzung von Echtzeitdaten und Prognosen wird daher immer wichtiger.

Das sagt Amazon zu der Kritik der Händler

„Zusammen mit unseren Verkaufspartner:innen arbeiten wir jeden Tag daran, Kund:innen niedrige Preise, eine große Auswahl und eine schnelle Lieferung zu bieten. Markenhersteller begeistern Kund:innen mit ihren Produkten und wir arbeiten stets daran, sie beim Wachstum ihres Geschäfts zu unterstützen“, erklärte ein Amazon-Sprecher.

Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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