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Wie wird man Online-Händler? – Teil 1: Der Streit um einen separaten Ausbildungsweg

Veröffentlicht: 18.09.2013 | Autor: Doreen Rothmann | Letzte Aktualisierung: 18.09.2013

Durch die zunehmende Bedeutung des Online-Handels entstehen auch auf dem Arbeitsmarkt immer neue Tätigkeitsfelder. Eine direkte Ausbildung zum Online-Händler wird bisher deutschlandweit jedoch noch nicht angeboten, obwohl hier dringend Handlungsbedarf besteht.

Online-Händler Ausbildung

Über die Notwendigkeit eines separaten Ausbildungsweges

Der boomende Online-Handel macht deutlich, dass das Thema E-Commerce auch in der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal mehr Berücksichtigung erfahren sollte. Das Berufsbild des Einzelhandelskaufmanns müsse, so viele Unternehmer der E-Commerce-Branche, um weitere Ausbildungsinhalte ergänzt werden, denn die digitale Wirtschaft bringe gänzlich neue Anforderungen mit sich als der stationäre Handel. Schwerpunkte müssten neben der Vermittlung von fundierten Web-Inhalten auch auf grundlegende Prozesse, die hinter einem Online-Shop stehen, gelegt werden. Daneben sollten auch die spezifischen Serviceansprüche von Online-Käufern thematisiert werden, um den Bedürfnissen dieser Zielgruppe gerecht zu werden.

Online-Händler – ein neues Berufsfeld

Die Kernkompetenz des Einzelhandelskaufmanns liegt im stationären Handel: Neben der Beratung von Kunden gilt es die vorhandenen Produkte für den festgelegten Preis zu verkaufen, betriebswirtschaftliche Aufgaben im Personal- und Rechnungswesen zu übernehmen sowie bei der Laden- und Sortimentpräsentation mitzuwirken. Der Arbeitsplatz ist dabei ein stationäres Ladengeschäft.

Ganz anderen Anforderungen sieht sich der Online-Händler ausgesetzt: Hier passiert der eigentliche Einkaufsvorgang gänzlich ohne Personal und ohne eine Beraterfigur. Der Kunde sucht sich das gewünschte Produkt im Online-Shop aus, bevor der Bestellvorgang abgeschlossen wird, indem die Bestellung online übermittelt wird. Zuletzt erfolgt die Lieferung. Der Online-Händler hat also nicht nur die Aufgabe, seine Produkte mit Fotos aus verschiedenen Perspektiven elektronisch abzubilden, sondern muss daneben auch eine detaillierte Produktbeschreibung vornehmen. Der gesamte Geschäftsprozess zwischen Händler und Kunde wird im Internet abgewickelt, sodass kein direkter Kontakt zwischen den Geschäftspartnern zustande kommt. Auch Rechnungswesen, Versand und gegebenenfalls Rückversand sowie die gesamte Logistik müssen vom Online-Händler koordiniert werden.

Die Anforderungen im stationären Handel und im Online-Handel sind also zu unterschiedlich, als dass eine Berufsausbildung für beide greifen könnte. Das Potenzial der Online-Branche als zukunftsträchtiger Arbeitgeber macht die Notwendigkeit neuer Ausbildungsinhalte im Berufsfeld des Einzelhandelskaufmanns bzw. die eines eigenen Ausbildungsweges zum Internet-Kaufmann oder Online-Händler deutlich.

Der Streit um einen separaten Ausbildungsweg

Der Bvh, Bundesverband des Deutschen Versandhandels, hat sich deshalb für eine Überarbeitung der Ausbildung zum IHK-Einzelhandelskaufmann und der Einrichtung eines separaten Ausbildungsweges eingesetzt. Der HDE, Handelsverband Deutschland, teilte dem Bvh jedoch mit: „Wir ändern nichts an der Ausbildung. E-Commerce ist und bleibt eine Zusatzqualifikation, eine Wahl, keine Pflicht.“

Auch die Forderung vieler Online-Händler als Ausbilder für Einzelhandelskaufleute zu fungieren, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, hat bisher keine Beachtung gefunden.

Ein separater Ausbildungsweg zum Online-Händler wird demnach vorerst nicht durchgesetzt werden können. Universitäten, Fachhochschulen und Fernschulen haben jedoch die Notwendigkeit einer Aus- und Weiterbildung im Bereich des E-Commerce erkannt und bieten ihrerseits verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten an.

Im zweiten Teil des Artikels „Wie wird man Online-Händler“ werden wir Sie über die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten zum Online-Händler informieren.

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