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Wegen kubanischer Asseln: PayPal-Konto gesperrt

Veröffentlicht: 22.07.2016 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 07.09.2016

Ein auf Reptilien spezialisierter Laden aus Mittweida musste wochenlang mit einem gesperrten PayPal-Konto leben, weil er kubanische Asseln verkauft hat und dies gegen das Handels-Embargo mit Kuba verstoße. Das Problem: Die Asseln haben mit dem Land überhaupt nichts zu tun.

Asseln

(Bildquelle Asseln: HartmutMorgenthal via Shutterstock)

Es ist eine wahrhaft skurrile Geschichte, die die Freie Presse da in ihrer Rubrik Lokales berichtet. Der Laden Terraristik-Ecke aus Mittweida ist auf Reptilien spezialisiert und verkauft entsprechende Futterinsekten – auch online. Eines dieser Futterinsekten sind kubanische Asseln. Diese sorgten nun dafür, dass die Betreiber des Ladens vor Gericht ziehen mussten – gegen PayPal. Denn online wickeln sie die Bezahlung hauptsächlich darüber ab. Darum war es auch keine Kleinigkeit, als PayPal der Terraristik-Ecke das Konto schloss.

Kuba ist nicht gleich Kuba

Was war passiert? Bei PayPal meinte man, dass der Laden mit dem Verkauf von kubanischen Asseln gegen das Handels-Embargo mit Kuba verstoße. Schon das allein mutet seltsam an, schließlich gilt das Embargo nur für die USA und schon seit Jahren nicht mehr für die EU – ein deutscher Händler sollte davon gar nicht betroffen sein. Viel skurriler aber: Kubanische Asseln haben mit Kuba rein gar nichts zu tun. Winfried Bongers, Sprecher der Terraristik-Ecke züchtet die Insekten seit Jahren selbst, ursprünglich stammen sie von den Britischen Inseln. Es ist bis heute unklar, woher sie ihren Namen haben, wie Bongers gegenüber der Freien Presse erklärt.

Nach mehreren (erfolglosen) Mails und Briefen, in denen er PayPal die Sache erklären wollte, wandte er sich also an einen Anwalt, der vor dem Landgericht Chemnitz eine Einstweilige Verfügung erwirkte. Die Kontensperrung wurde aufgehoben, die anschließende Erklärung von PayPal fiel nüchtern aus: "Nach eingehender Prüfung seitens PayPal hat sich die Kontosperrung als nicht begründet erwiesen. Infolgedessen wurde das PayPal-Konto des Händlers inzwischen wieder freigeschaltet. Darüber hinaus wurde die einstweilige Verfügung anerkannt und der Rechtsstreit beigelegt.“ Bongers und sein Anwalt sind mit der Sache aber noch nicht durch. Er hätte in den Wochen ohne PayPal-Konto bis zu 8.000 Euro Umsatz verloren und will Schadensersatz. Dafür hat er sich sogar an den Deutschen Bundestag gewandt.

PayPal und Kuba: Und täglich grüßt das Murmeltier

Der gleiche Anwalt wie im aktuellen Fall, Andreas Eberl, hatte in den vergangenen Monaten bereits mit PayPal zu tun, und zwar genau wegen des Handels-Embargos mit Kuba. So wurde einem Händler, der Tickets für das Musical „Soy de Cuba“ und ein Konzert einer kubanischen Sängerin verkaufte, ebenfalls das Konto gesperrt. Auch hier wurde PayPal in die Schranken gewiesen. Denn auch in diesem Fall hatte der eigentliche Grund ohnehin nichts mit dem Embargo gegen Kuba zu tun, sondern wurde nur wegen der Begrifflichkeit „Kuba“ zum Problemfall.

Kommentare  

#4 Wolfgang 2016-08-24 13:10
und aus rache hatte man dann dem tickethändler das paypalkonto gekündigt. unglaublich.

zum glück konnte vor tagen (ohne klage oder prozess) dieser anwalt auch mir helfen. es ging um über 26000,-, die ich endlich frei bekam. ich hatte mich seit 04/2016 mit paypal erfolglos rumgeschlagen und keinen anwalt in meiner stadt gefunden, der in der lage war, mir zu helfen.
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#3 buchreport.de 2016-08-17 06:19
Mit der Valuta Wertstellung wird derjenige Tag bezeichnet, von dem an die
Zinsberechnung für Gutschriften und Belastungen zählt.
Für weitere Informationen zu dieser Serviceleistung oder zur Verfügbarkeit, nutzen Sie bitte
unser Kontaktformular . Der Eigenkapitalwer t der A- und B-Aktien zusammen entspreche rund 340 Mio CHF.
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#2 Marc 2016-07-25 14:36
Das ist ja wirklich haarsträubend wenn man liest weshalb Paypal allmächtig seine Kunden drangsaliert. Ich hatte bisher Glück denn auch ich mache ca. 90% der Zahlungseingäng e über Paypal.
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#1 Andy 2016-07-25 08:40
Auch wir hatten letzte Woche durch Paypal eine Kontensperrung wegen Verkauf von kubanischen Kaffee. Anscheinend hat Paypal selbst den Kaffee "gekauft". Es wurde eine Bestellung mit falscher E-Mail-Adresse und mit dem Namen Tester aufgegeben. Es wurde lediglich der kubanische Kaffee bestellt. Eine Zahlung ist noch nicht mal erfolgt. Wenige Minuten später war das Konto gesperrt und die Einnahmen der gesamten Woche eingefroren. Dabei scheint es Paypal völlig egal zu sein, dass die Existenz eines Händler auf dem Spiel steht. Wir konnten 9 Tage nicht an unser Geld und konnten 9 Tage auch keine Zahlungen empfangen. Leider ist man als Händler auf Paypal angewiesen. Ca. 2/3 der Bestellungen werden bei uns über Paypal bezahlt. Die Kunden haben auch wenig Verständnis, wenn sie nicht mit Paypal zahlen können. So muss man sich leider von Paypal alles zahlen lassen. Schön, dass der Händler aus dem Artikel sich durchsetzen konnte. Es gibt bereits sehr viele Urteile gegen Paypal. Paypal hat diese Gerichtsverfahr en in der Regel immer verloren. Nach verlorenen Urteil hat Paypal dann aber dem Händler das Konto ordentlich gekündigt.Was micht wundert, dass Paypal mit so einem Vorgehen eine Bankengenehmigu ng bekommen hat. Ich habe mich jedenfalls bei der Bankaufsicht in Luxembourg beschwert. Ich glaube aber nicht, dass es etwas bringt.
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