Kommentar: Ebay und Otto digitalisieren gegen Amazon – wird es etwa wieder spannend?

Veröffentlicht: 21.03.2018 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 21.03.2018

Vor allem Ebay und Otto positionieren sich gerade als Schwergewichte beim Thema Digitalisierung. Das könnte im Wettstreit mit dem großen Rivalen Amazon tatsächlich Punkte bringen.

Otto AR App

© Otto

Seien wir ehrlich: Ob als Kunde oder als Händler, an Amazon kommt man nur schwer vorbei. Zu verlockend ist die Reichweite, zu groß sind die Umsätze, die sich über den Marktplatz generieren lassen, zu groß ist die Auswahl. Ob man will oder nicht, man darf Amazon nicht ohne triftigen Grund aus der Rechnung nehmen. Und es tut ja auch keiner. Vor allem in der westlichen Welt und auch in Deutschland ist Amazon der größte Marktplatz, mit sehr viel Abstand. Mit dem reinen Angebot, mit der reinen Reichweite kann man da als Konkurrent wenig punkten.

Derzeit scheint es, als würde sich die Konkurrenz daher auf andere Schwerpunkte verlegen – und sich damit tatsächlich einen Vorteil erarbeiten. Schon seit geraumer Zeit arbeitet Ebay daran, seine Daten zu strukturieren, um den unübersichtlichen Produktkatalog aufzuräumen. Strukturierte Daten sollen bald dafür sorgen, dass man von einer Listing-basierten zu einer Produkt-basierten Suche wechselt. Das kann man noch einen überfälligen Schritt nennen, denn beim Thema Übersichtlichkeit hat Amazon die Nase vorn, hier zieht Ebay erst nach.

Augmented Reality als Wettbewerbsvorteil

Wirklich spannend ist derzeit aber der große Fokus auf das Thema Augmented Reality. In den vergangenen Jahren war das ein Trend im Wartestand, der nicht wirklich vorangekommen, doch es scheint 2018 tatsächlich erstmals so, dass AR gekommen ist, um zu bleiben. Im Februar kündigte Ebay an, mit Augmented Reality das Shopping „spaßiger“ machen zu wollen. Die Kunden sollen wieder mehr bei Ebay einkaufen „wollen“.

Otto schlägt mit einer eigenen AR-App gerade in dieselbe Kerbe und präsentiert sich derzeit als überraschend fortschrittliches Handelsunternehmen in einem Deutschland, in dem die Digitalisierung in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch fälschlicherweise als Bedrohung gesehen wird. Beide Unternehmen locken Kunden mit einer fortschrittlichen Technologie, die in Zeiten, in denen das Smartphone in fast jeder Hosentasche steckt, keine Einstiegsbarriere mehr hat. Das Timing scheint perfekt. Der Kunde kommt nicht, weil der Produktkatalog der Anbieter so grenzenlos wäre, sondern weil das Shopping-Erlebnis neuartig ist – der Ansatz ist imponierend und stimmt hoffnungsvoll, dass die Kunden das Angebot auch annehmen.

AR für die Händler

Ebay, der wohl klassischste aller Marktplätze, geht sogar noch einen Schritt weiter und will nun nicht nur die Käufer, sondern auch die Verkäufer mit Augmented Reality ansprechen. In den USA lässt sich mit einer neuen AR-Anwendung die Paketgröße für das jeweilige Produkt exakt bestimmen. „Durch die Zusammenarbeit von Googles ARCore-Plattform und der AR-Technologie von Ebay gestalten wir den Handel noch einfacher“, sagt James Meeks, Head of Mobile bei Ebay. Wann die Technologie nach Deutschland kommt, ist zwar noch offen, man kann aber nur hoffen, dass die Händler-Kollegen in den USA das Angebot annehmen.

Denn während sich der Platzhirsch, so wirkt es, auf seiner Größe ausruht, werden die Herausforderer kreativ, um den Markt frisch zu halten. Das verdient nicht nur Anerkennung, das ist auch der einzig richtige Weg, um sich für Kunden und für Händler unverzichtbar zu machen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese das genau so sehen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Christoph Pech

Kommentare  

#2 Gerd Kirchner 2018-03-30 08:00
Hallo Herr Pech. Was die "Übersichtlichk eit" bei Amazon betrifft, muss ich Ihnen widersprechen. Zumindest im technischen Bereich, u. a. bei Elektrowerkzeug en und techn. Zubehör, ist Amazon mit Abstand die schlechteste aller Plattformen.
Ein absolutes Chaos. Falsche Anzeigenzuordnu ngen, unvollständige oder komplett fehlende Angabe des Lieferumfangs, Doppelt - und Dreifachanzeige n vom exakt gleichen Angebot, mit gleichem Preis, vom gleichen Anbieter. Häufig kann der Käufer nicht feststellen, was er überhaupt kaufen würde. Angebote mit unterschiedlich en Artikel-Nr. und eigenen EAN-Codes werden planlos zusammengefasst . Täglich erhalten wir über Amazon "vermittelt" unzählige Anfragen zu fehlenden technischen Beschreibungen und Lieferumfang, zu Artikeln, die wir teilweise gar nicht im Angebot haben. Unsere Artikel sind ausnahmslos sehr ausführlich beschrieben, tauchen jedoch bei Amazon unter willkürlich zusammengefasst en Anzeigen selten auf oder unter völlig falschen Anzeigenformate n die Amazon zuordnet, wofür wir auch noch haften.
Eine tägliche Kontrolle unserer derzeit über 1000 Angebote, wie dies vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist - OLG Köln - ob diese von Amazon nicht irgendwo, irgendwann falsch zugeordnet oder zusammengefasst wurden, ist völlig weltfremd und in der Praxis nie umsetzbar. Demzufolge sind viele Angebote das reine Chaos.
Zitieren
#1 Andree 2018-03-21 14:29
Ich verkaufe nicht auf Amazon und es läuft gut.
Und ich kaufe auch nichts mehr bei Amazon
Zitieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.