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Interview mit JTL

„Eine gute Warenwirtschaft verfügt über ein integriertes PIM.“

Veröffentlicht: 07.11.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 07.11.2019
Tablet im Warenlager

Für jeden Händler steht irgendwann die Frage im Raum, ob er ein PIM- oder ein Warenwirtschaftssystem einsetzen soll. Wir haben mit Manuel Pietzsch, Product Owner JTL-Wawi, über die Unterschiede zwischen den beiden Systemen gesprochen und geklärt, wo die jeweiligen Anwedungsbereiche liegen.

OnlinehändlerNews: Was sind die Unterschiede zwischen einer WaWi und einem PIM-System?

Manuel Pietzsch: Ein Product Information Management (kurz: PIM) System ermöglicht die Sammlung, Verwaltung und Pflege von Produktdaten in einem zentralen und medienneutralen System. Das heißt, die in einem PIM-System gespeicherten Produktdaten können von verschiedenen Abteilungen für den jeweiligen Bedarf genutzt, bearbeitet und veröffentlicht werden. Eine Warenwirtschaft verfolgt einen anderen Ansatz. Wie der Name schon sagt, steht hier die Wirtschaft der Waren im Fokus: Anwender verwalten hierüber Aufträge, Rechnungen, Bestände sowie Warenein- und -ausgänge. Merkmal einer guten Warenwirtschaft ist jedoch, dass sie bereits über ein integriertes PIM verfügt. In unserem Produkt, JTL-Wawi, ist es beispielsweise möglich, Artikelbeschreibungen anzulegen, zu bearbeiten und aufzubereiten, sie in die Verkaufsvorlagen von Ebay und Amazon zu integrieren und damit marktplatzoptimiert hochzuladen. Auch lassen sich Bilder mit Produkten verknüpfen und beliebig viele Attribute und Eigenschaften ergänzen. Wie beim PIM können auch in JTL-Wawi verschiedene Mitarbeiter abteilungsübergreifend an diesen Datensätzen arbeiten. Kurz gesagt: Eine gute Warenwirtschaft macht PIM – zumindest für den Versand- und Onlinehandel – obsolet.

Auch Kleinsthändler können eine WaWi gebrauchen

An welcher Stelle kommt vorwiegend eine Warenwirtschaft, an welcher Stelle ein PIM-System zum Einsatz?

Ein Warenwirtschaftssystem fokussiert sich auf die Warenströme eines Unternehmens, also Ein- und Verkauf, Wareneingang und -ausgang sowie Lagerhaltung und -verwaltung. Dementsprechend sind die perfekten Einsatzbereiche für Warenwirtschaftssysteme der Einzel-, Versand- und Onlinehandel. Bei einem PIM-System geht es vor allem um die Anreicherung und Darstellung von Produktinformationen – Bereiche, die auch für Abteilungen wie Vertrieb und Marketing relevant sind, in einer Warenwirtschaft aber üblicherweise eine untergeordnete Rolle spielen. Im Idealfall verfügt eine Warenwirtschaft aber über Grundfunktionalitäten der Produktinformationsverwaltung – diesen Ansatz verfolgen wir mit JTL-Wawi ebenfalls. Als besonderer Einsatzbereich von PIM-Systemen gilt derzeit noch der Austausch von Daten über eine Weboberfläche. Das ist relevant, wenn Produktdaten externen Dienstleistern, beispielsweise für eine Übersetzung, zur systeminternen Bearbeitung zur Verfügung gestellt werden sollen.

Für welche Händler lohnt sich der Einsatz einer WaWi besonders?

Hier lautet die Antwort ganz klar: Für alle! Denn jeder Händler muss Aufträge erfassen, seine Bestände verwalten und Rechnungen verschicken. Ohne eine intelligente Warenwirtschaft, die Warenströme automatisiert erfasst, ist selbst ein Kleinsthändler schnell aufgeschmissen. Die Arbeit mit und in Excel-Tabellen stößt nämlich dann an ihre Grenzen, wenn mehrere Mitarbeiter darauf zugreifen oder relevante Daten einem Buchhalter oder Steuerberater zur Verfügung gestellt werden müssen. Eine händisch gepflegte Excel-Tabelle ist zudem fehleranfällig und wenig manipulationssicher. Probleme sind vorprogrammiert. Wer als Einzel- oder Onlinehändler erfolgreich sein möchte, kommt um ein professionelles Warenwirtschaftssystem nicht herum.

Händler sollten umfassend informieren

Was sind die größten Fehler, die Händler beim Einsatz einer WaWi machen können?

Der größte Fehler ist, die Entscheidung für oder gegen eine Warenwirtschaftssystem aus den falschen Gründen zu treffen. Es geht um mehr als reine Marketingaussagen: Zunächst sollten grundlegende Anforderungen von Händlerseite, der Funktionsumfang sowie die Kostenfrage geklärt sein. Kurzum: Passt die Software zu meinem Unternehmen? Ich rate jedem Händler, sich ausreichend zu informieren und verschiedene Systeme miteinander zu vergleichen. Denn sind erst alle Daten in eine Warenwirtschaft eingepflegt, ist ein Wechsel mit viel Aufwand verbunden: Datentransfer, vorübergehender Ausfall des eigenen Shops, Migration bestehender Prozesse, Einarbeitung der Mitarbeiter in das neue System – all das kostet Zeit, Nerven und Geld.

Was würden Sie einem Händler raten, der sich erstmals mit dem Thema WaWi beschäftigt?

Am Anfang sollte immer die kritische Selbstreflektion stehen: Wo sehe ich mein Unternehmen in zehn Jahren? Wie viele Mitarbeiter will ich beschäftigen? Welche Prozesse möchte ich noch selbst erledigen, welche sollen automatisiert erfolgen? Die Warenwirtschaft, für die ich mich entscheide, sollte in der Lage sein, flexibel mit mir, meinen Prozessen und meinem Unternehmen zu wachsen. Wenn ich gerade erst in den Handel einsteige, ist es natürlich nicht unerheblich, wie viel die Software kostet. Weitere wichtige Kaufargumente stellen aus unserer Erfahrung ein ausgereiftes Supportmodell sowie eine Etablierung am Markt dar – beides sagt viel über die Zukunftssicherheit von Systemen aus.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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