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Online-Bank in der Kritik

Betrügerische Online-Shops sollen N26 zur Geldwäsche nutzen

Veröffentlicht: 17.04.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 17.04.2019
N26-Kreditkarte und Smartphone-App

Das ehemalige Vorzeige-StartUp N26 gerät in die Kritik. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des NDR sollen Kriminelle in fast 400 Fällen Konten eröffnet haben, um Geldwäsche für gefälschte Online-Shops zu betreiben. Oft hätten sie die Konten dabei gar nicht selbst eröffnet, sondern von gutgläubigen Nutzern übernommen haben. Die Süddeutsche schildert den Fall von Eckehard Küntzle. Dieser registrierte sich im Januar auf einer Webseite für Marktforschungen und sollte vermeintlich das Video-Identifikationsverfahren von N26 testen.

Dies tat er und erhielt ein Honorar in Höhe von 60 Euro. Die vermeintlichen Marktforscher versprachen, das Bank-Konto daraufhin wieder zu löschen. Zwei Monate später steuerte Küntzle erneut die Seite der Marktforscher an, die aber nicht mehr existierte. Er alarmierte N26 und die Polizei. Die Betrüger hatten seine Identität missbraucht und das Konto für Geldwäsche verwendet. Der Vorfall stehe exemplarisch für ein großes Problem von N26: Die Online-Bank bekommt den Betrug – anders als andere Geldinstitute, wie die Süddeutsche schreibt – nicht in den Griff.

Zu leicht auszutricksen

Der SZ und dem NDR liegen eine Liste mit 394 Konten vor, die von Kriminellen für Geldwäsche und Betrug genutzt wurden. Für ihre gefälschten Online-Shops benötigen die Betrüger Bankkonten, über die sie verfügen können. Besonders beliebt seien dabei Konten von N26, bestätigt das LKA Niedersachsen, da andere Institute mit der Masche offenbar mittlerweile vertraut sind. Daua N26 km über Filialen verfügt, wird der Identitätscheck via Videochat durchgeführt, bei dem es ausreicht, den Personalausweis in die Kamera zu halten.

Betrüger sind dabei auf gutgläubige Nutzer wie Küntzle angewiesen. Als vermeintliche Meinungsforscher weisen sie die Nutzer dabei an, nicht preiszugeben, dass sie von einem Unternehmen mit der Kontoeröffnung beauftragt wurden. Die SZ zitiert: „Um das Testergebnis nicht zu verfälschen, darf der Mitarbeiter nicht merken, dass wir ihn prüfen.“ Dies funktioniere bei N26 sehr häufig. Problematisch ist das nicht nur für N26, sondern auch für Kontoinhaber. Diesen drohen Verfahren wegen leichtfertiger Geldwäsche und im Nachgang Klagen von Betrugsopfern der gefälschten Online-Shops.

Von der Bafin gerügt

Der Missbrauch von Bankkonten ist dabei nicht das einzige Problem von N26. Die Online-Bank, die seit 2016 eine Banklizenz hat, hat immer wieder mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen. Die Probleme mit gefälschten Ausweisen und Geldwäsche sind zudem nicht neu. Die Bafin rügte zuletzt im Rahmen einer Sonderprüfung unter anderem die Personalausstattung und die IT von N26. Verbessert sich der Zustand nicht, drohen Sanktionen.

N26 gelobte indes Besserung. 390 der 394 verdächtigen Konten habe man geschlossen, die vier verbliebenen wurden allerdings erst auf Hinweis von SZ und NDR gefunden – und seien mittlerweile ebenfalls geschlossen. Der Umstand, dass N26 diese Konten nicht von selbst aufspürte, wirft allerdings kein gutes Licht auf die Kontrollsysteme von N26. Die Überwachung auffälliger Überweisungen funktioniere offenbar weniger gut als bei anderen Geldinstituten.

N26-Chef Valentin Stalf verteidigt gegenüber der SZ das eigene Institut: „Ich glaube, dass wir in vielen Bereichen deutlich sicherer sind als der Marktdurchschnitt. Es gibt einfach Bedrohungsszenarien, da müssen wir uns ständig weiterentwickeln.“ Um auf die Betrugsmasche zu reagieren, der auch Eckehard Küntzle zum Opfer fiel, warnt N26 Kunden im Videochat mittlerweile, dass man nicht mit Marktforschern, Wohnungsagenturen oder Kreditvermittlern zusammenarbeite. Dies wird in einem Statement des Unternehmens noch einmal betont. Zudem wurde das Team, das für die Betrugsprävention verantwortlich ist, auf 50 Mitarbeiter aufgestockt.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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