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Kolumne

Dating via Facebook – ein gefährlicher Flirt

Veröffentlicht: 13.09.2019 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 13.09.2019
Frau beim Online_Dating

Für die große (oder auch kleine) Liebe, dieses verrückte Ding, tun die Menschen wirklich alles – natürlich auch in der digitalen Welt. Nicht umsonst boomt die Branche rund ums Verlieben-im-11-Minuten-Takt, Matchen, Swipen und Singles mit Niveau. Da ist es kein blaues Wunder, dass auch Facebook (FB) in den Nahkampf mit Tinder und Co. gehen will und eine Dating-Funktion startet. Ab 2020 soll sie auch in Europa mehr oder weniger einsame FB-Nutzer zusammenführen – oder zumindest für mehr Klicks, Aktivität und verbrachte Nutzerzeit sorgen. Denn um das Suchen und Finden von <3 geht es – wie so oft beim Online-Dating – ja nicht wirklich, auch wenn FB selbst gerne von „bedeutungsvollen Beziehungen“ spricht. 

So funktioniert Facebook Dating

Facebook bündelt seine Dating-Funktion in einer extra App, die vom Original-Account getrennt sein soll. Nutzer ab 18 Jahren können sich ein Profil erstellen, beantworten Fragen und erhalten dann aufgrund ihrer Interessen, Gruppen etc. Partnervorschläge, die sie im klassischen Tinder-Stil liken oder zum Nächsten schicken. Dass sich Nutzer nochmal einen komplett neuen Account erstellen, ist bei aller Liebe aber doch fraglich – daher ist es naheliegend, dass Facebook doch Daten fließen lässt oder dem Nutzer diese Option anbietet. Später sollen Nutzer in jedem Fall Facebook und Instagram Stories einbinden können.

Es wäre ja auch völlig vergebene Liebesmüh', die in der vergangenen Dekade bei Facebook angehäuften Intimitäten und Klicks NICHT für die Optimierung der Partnersuche zu nutzen. Was für ein Datenschätzchen! Aus einer Vielzahl von Informationen und beantworteter Fragen das beste Liebespaar zu matchen, ist ja auch das Mantra zahlungspflichtiger Angebote wie Elitepartner und Co.

Facebook wird all das kostenlos bieten – und damit sicher viele einsame Herzen locken, die im Web ihr Gegenüber finden wollen. Laut einer Studie der Stanford University können Facebooks Algorithmen bei über 300 Likes die Persönlichkeit der jeweiligen Nutzer besser vorhersagen als der eigene Ehepartner. Und der Markt ist riesig: Allein auf Facebook sollen über 200 Millionen Nutzer Single sein.

Datenschützer warnen: Finger weg!

Und trotz aller Beteuerungen des sozialen Netzwerks bezüglich Datenschutz, Sicherheit etc., dürfte zumindest große Vorsicht angebracht sein. Auch deutsche Datenschützer warnen bereits vor der neuen Funktion: „Finger weg vom Facebook-Dating“, sagt Marit Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein. Facebook hat in der Vergangenheit gerade in Sachen Datenschutz die Zuneigung seiner Nutzer zu oft enttäuscht – Cambridge Analytica lässt grüßen.

Wenn jetzt Millionen Menschen in einer neuen flirty Sphäre des Netzwerks noch mehr Informationen preisgeben, diese mit dem bereits bestehenden Archiv aus dem Facebook-Netzwerk inklusive Instagram verknüpft werden, entsteht eine gigantische psychologische Beziehungs-Datenbank, die für die Werbeindustrie oder Hacker ein gefundenes Fressen wäre. Jeder Nutzer muss sich im Klaren sein, dass er die kleine Chance auf etwas menschliche Nähe gegen die Gefahr der völligen Entblößung eintauscht.

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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Kommentare  

#1 Felix Bauerschäfer 2019-09-16 08:53
Sollte doch jedem klar sein, alles was kostenlos ist und zu schön glänzt kann nicht wahr sein.
Irgendwo muss im Endeffekt das Geld herkommen, besonders bei solchen Apps hat das mehr was mit Komfort und an der Stange vorgeführt zu tun anstatt echtes Dating. Hatte mir mal das Vergnügen gegönnt und eine Zeit lang aus Spaß mit Freunden einen Tinder-Account erstellt. Finde dabei Tinder immer noch sehr Entschuldigt die Wortwahl „Abgewichst” die Not mancher App-Nutzer durch virtuelle Währung auszunutzen die anderen zugesendet werden kann.

In jeder psychologischen Studie wird wahrscheinlich auffallen das in solchen Apps Regelmäßige Nutzer nur noch nach Äußerlichkeiten Bewerten gut für die eigene Geistliche Entwicklung kann sowas auch wirklich nicht sein. Definitiv nicht schon für unsere eh bereits sehr kurzes Erinnerungsverm ögen spreche im Kollektiv den ich glaube selbst wen man sich dieses Antrainiert wird man durch Komfort Apps, Kalender, E-Mails, Wikis, Nachrichtenseit en und im Endeffekt dauerhaftes unendliches Wissen auch verwöhnt und entwöhnt sich das Merken von Informationen wie hieß unser Bundeskanzler nochmal? Google mal.

Wie auch immer Dating sollte Anonym bleiben, oder im Bestenfalls über kleine/private Chatrooms ablaufen. Dabei muss das ganze nicht einmal umständlich sein ein normaler IRC-Channel reicht da schon, ohne Emojis, ohne Hearts und Likes und vor allem ohne ein Facebook. Ein Port reicht zur Freischaltung und die Wartung und Aufrechterhaltu ng kann solcher Chats jeder einzelne Nutzer mit IPv4 Adresse übernehmen.
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