Online-Dating

Partnersuche ohne Tinder – diese Dating-Apps machen mehr Spaß

Veröffentlicht: 26.10.2021 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 26.10.2021
Frau vor Handy mit Herzen

Singles und Partnersuchende haben es leicht und schwer zugleich: Einerseits versprechen Dating-Apps und -Portale zigtausende potenzieller Matches – andererseits macht es gerade dieses Überangebot für viele schwerer, sich überhaupt tiefer und länger auf einen einzelnen Menschen einzulassen. Ein Foto, ein Wisch in der App – wie beim Marktführer Tinder – der oder die Nächste, bitte! Die Soziologin Eva Illouz hat den Einfluss konsumorientierten Verhaltens auf die Bereiche Partnersuche und Beziehungen und die Oberflächlichkeit von Tinder umfassend erläutert, etwa im Interview mit dem SZ-Magazin.

Doch es gibt auch Alternativen zu Tinder und Co: Wir haben einige Dating-Apps mit jeweils unterschiedlichen Ansätzen unter die Lupe genommen. Die Anbieter setzen dabei unter anderem auf Entschleunigung, die Stimme – oder die Freunde des Nutzers. 

Dating-App Lovetastic: Erstmal flirten ohne Bilder 

nicolas schotten

Das Bild des Nutzers ist auf den meisten Dating-Angeboten das erste Entscheidungskriterium – und für viele Nutzer auch das einzige. Die App Lovetastic steuert gegen diesen Trend – und verzichtet zunächst auf Fotos. Suchende sehen zunächst nur Infos in den Profilen, können sich bei einem Match aber später Bilder im Chat schicken. „Mir ist schon vor langer Zeit aufgefallen, dass klassische Dating-Apps sehr oberflächlich sind. Für eine funktionierende Beziehung ist die gegenseitige optische Anziehung aber nur ein kleines Stück eines grossen Kuchens“, sagt der Schweizer Gründer Nicolas Schotten. Gerade wegen dieses Konzepts ohne Foto sei Lovetastic eines der Angebote mit dem höchsten Frauenanteil, wird auf der Webseite behauptet.

Lovetastic wurde nach eigener Angabe bisher rund 280.000 Mal runtergeladen und hat über 100.000 aktive Nutzer. Die Grundversion ist kostenlos, mit einem Vip-Abo für 12,99 Euro im Monat kann man zusätzliche Funktionen nutzen. Nutzer können auch einzeln einen Power Booster kaufen, mit dem man direkt eine Nachricht schreiben kann. Schon wenige Monate nach dem Start soll Lovetastic schwarze Zahlen geschrieben haben. Derzeit kann man die App in der DACH-Region und in Frankreich nutzen, weitere Länder und auch Funktionen sollen dazukommen.

Online-Dating via Wayvs: Mit der Stimme auf Partnersuche

© Julia Zierer

Ebenfalls auf einen anderen Zugang setzt die Audio-Dating-App Wayvs (vom engl. Waves = Wellen): Die Nutzer präsentieren sich mit einer Sprachnachricht oder können mit einer solchen auch Bilder anderer Nutzer kommentieren und so Kontakt aufnehmen. „Unsere Stimme ist wie unsere DNA, absolut einzigartig. Sie transportiert viele Informationen über uns, die unser Gegenüber intuitiv ausliest. Eine kurze Konversation ist viel effektiver als langes Texten, um zu wissen, ob man mit jemandem auf der gleichen Wellenlänge ist“, sagt die Berliner Gründerin Franziska Focken. „Kein Bild der Welt kann mir zeigen, ob jemand witzig, smart oder spannend ist.“ Sie selbst hat beim Online-Dating anhand von Fotos eher durchwachsene Erfahrungen gemacht: Bilder und erster Eindruck im Chat seien oft konträr zu dem ersten Treffen gewesen. 

Auch Wayvs verfolgt langfristig ein Freemium-Modell: Die App ist kostenlos, derzeit werden Ideen für zusätzliche Bezahl-Funktionen entwickelt. So könnten künftig etwa anhand der Stimme Persönlichkeitsmerkmale erkannt und die passenden Partner anhanddessen zusammengeführt werden. Noch finanziert sich das Unternehmen vor allem über Investoren „aus verschiedensten Bereichen“, wie Focken betont. Aktuelle Zahlen zu Downloads, aktiven Nutzern und Co. wollte das Unternehmen nicht nennen.

Once: Slow Dating ohne hunderte Matches

Clementine Lalande

Die App Once sagt dem Fließband-Matchen den Kampf an und legt den Fokus zunächst auf nur eine Person. Denn bei Once erhalten die Nutzer maximal ein Match pro Tag – und zwar zur Mittagszeit. Algorithmen suchen anhand der Profilinfos den vermeintlich passenden Partner aus, die zusammengeführten Nutzer haben dann einen Tag Zeit, die ausgelegte Fährte aufzunehmen. „Aktuell sind Singles lediglich Teil eines riesengroßen Katalogs an Möglichkeiten. Wir möchten das ändern und brauchen Innovationen, die das Swipen beenden und der Suche nach Liebe wieder mehr Persönlichkeit und Relevanz verschaffen“, sagt Once-Chefin Clémentine Lalande. Vor allem für Frauen soll das Dating so verbessert werden – das zeigt auch eine weitere putzige, aber leider wohl nötige Funktion der App: Ein Tool verwandelt die teils von Männern verschickten Bilder ihres Genitals („Dick Pics“) in Kätzchen-Fotos!

Once wurde 2015 gegründet und hat nach eigenen Angaben über 10 Millionen Nutzer:innen in acht europäischen Ländern (DACH, FR, IT, BE, NL, UK). Auch diese App bietet über die kostenlose Variante hinaus Zahlfunktionen: So können Nutzer sich etwa doch ein paar Matches dazukaufen – Männer maximal vier, Frauen sechs. Außerdem gibt es auch bei Once ein Vip-Abonnement mit mehr Funktionen. Once gehört seit Januar 2021 zum Konzern Dating Group, der das Unternehmen für 18 Millionen Dollar übernommen hat. Mit dem neuen Besitzer will Once „die Post-Swipe-Ära einläuten“, außerdem wird die App derzeit neu designt.

Blindmate: Verkuppeln 2.0 durch Freunde

 BlindMate

Verkuppeln im Freundeskreis kann im echten Leben oft peinlich werden. Doch die App Blindmate schickt bei der Online-Partnersuche trotzdem die Kumpels aller Singles ins Rennen und lässt diese entscheiden, wer zusammenpassen könnte. Der Nutzer erstellt zwar selbst sein Profil, die Freunde ergänzen es und entscheiden dann über Match oder nicht. „Mit den Freund:innen redet man eh ständig über Beziehungen – sie haben oft einen besseren Blick dafür, zu wem man passt und zu wem nicht“, heißt es auf der Seite. „Blindmate ist explizit auch eine Dating-App für schon Vergebene, denn auch wenn man schon einen Partner hat, kann man bei Blindmate aktiv sein und Freunde verkuppeln. Dadurch ist unsere Zielgruppe natürlich erheblich größer als die anderer Apps“, erklärt Laurenz Reichl, einer der Gründer. Bei Blindmate suchen bisher rund 10.000 aktive Nutzer über ihre Freunde nach Partnern.

Blindmate ist als Hobby-Projekt von vier Freunden im März 2021 gestartet, jetzt arbeiten sie in Vollzeit und sind auf der Suche nach Investoren, mit denen die App weiter ausgebaut werden soll. Das Geld kommt bisher durch eine Trinkgeld-Funktion der Nutzer-Community, damit lassen sich zumindest die Serverkosten decken, schwarze Zahlen schreibt das StartUp noch nicht. Langfristig streben die Gründer aber wie die anderen Apps auch ein Freemium-Modell an. „Wir wollen aber keine weitere pay-to-win App werden – das stört uns extrem an anderen Dating-Apps. Das Ganze wollen wir dann noch mit einem sehr fairen Preis versehen, den wir uns aufgrund unserer viralen Verbreitung leisten können“, sagt Reichl.

Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Markus Gärtner

Kommentare  

#1 Sabine Dreißig 2021-10-26 22:09
Interessanter Artikel! Ich war bisher nur auf Tinder unterwegs und schon etwas frustriert. Da bekommt man doch nochmal Lust auf Neues. :)
Zitieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.