Teilen Teilen Kommentare Drucken
Wir wurden gefragt

Darf ich meine Kunden in der Warensendung um eine Bewertung bitten?

Veröffentlicht: 26.07.2019 | Autor: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 05.08.2019
5 Sterne auf Verpackung

Im September des vergangenen Jahres hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Bitte um eine Bewertung als Werbung einzustufen sei. Zur Begründung führte das Gericht an, dass sich der Verkäufer durch die Bitte noch einmal beim Kunden in Erinnerung bringen und so weitere Geschäftsabschlüsse fördern möchte. Diese Entscheidung hat – verständlicherweise – zur Verunsicherung geführt. Daher erreichte uns nun die Frage, ob es denn in Ordnung sei, den Kunden in der Warensendung, also beispielsweise mittels eines beigelegten Flyers, um eine Bewertung zu bitten.

Werbung per Post

In dem eben angesprochenen Urteil des Bundesgerichtshofs ging es um eine Bewertungsbitte per E-Mail. Die Krux an dem Fall war, dass der Empfänger der E-Mail kein Einverständnis zum Erhalt von E-Mail-Werbung gegeben hat. Bei der klassischen Werbung per Post sieht das da aber anders aus: Die hat der Gesetzgeber nämlich nicht so streng reguliert, als die Werbung mittels moderner Kommunikationsmittel. 

In § 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb heißt es lediglich, dass eine Werbung eine unzumutbare Belästigung ist, wenn sie versendet wird, „obwohl erkennbar ist, dass der angesprochene Marktteilnehmer diese Werbung nicht wünscht.” Im Ergebnis bedeutet das, dass der Händler seine Warensendung durchaus mit einer Bewertungsbitte versehen darf, es sei denn, der Kunde hat klar geäußert, dass er keinerlei Werbung erhalten möchte.

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Bewertungen sind gerade im Bereich des E-Commerce sehr wichtig. Dennoch gibt es so manches zu beachten. Dass beispielsweise die Bewertungsbitte per E-Mail nur versandt werden darf, wenn der Kunde dem Erhalt von E-Mail-Werbung zugestimmt hatte, hatten wir gerade schon. Allerdings sollten Unternehmer auch darauf verzichten, ihren Kunden Anreize, wie etwa Gutscheine oder Rabatte, für das Schreiben von positiven Bewertungen zu geben. Die Bewertungen, die deswegen abgegeben werden, können nämlich als Schleichwerbung gewertet werden, da sie eben nicht mehr so objektiv sind, wie sie sein sollten. Außerdem sind kleine Händler, die keine Ressourcen haben, um ihren Kunden eine Entlohnung ist Aussicht stellen, natürlich im Nachteil (mehr dazu).

Über den Autor

Sandra May Experte für IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Sandra May

Kommentare  

#6 die Redaktion 2019-08-07 13:16
Hallo Olaf,

wie TS das handhabt, können wir dir nicht sagen.

Der Händlerbund hilft allerdings natürlich bei der rechtskonformen Einbindung des hauseigenen Bewertungstools.

Beste Grüße
die Redaktion
Zitieren
#5 Olaf Jonsek 2019-08-07 08:37
Danke für den Artikel. Bewertungen nach dem Kauf zu erfragen ist ja das Geschäftsmodell von Trusted Shops. Wenn diese E-Mails nun als Werbung gesehen werden, wie reagieren TS & andere Anbieter darauf?
Zitieren
#4 Redaktion 2019-08-01 15:21
Hallo lieber Daniel,

in unserem Artikel haben wir deine Frage bereits beantwortet:

"In § 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb heißt es lediglich, dass eine Werbung eine unzumutbare Belästigung ist, wenn sie versendet wird, „obwohl erkennbar ist, dass der angesprochene Marktteilnehmer diese Werbung nicht wünscht.” Im Ergebnis bedeutet das, dass der Händler seine Warensendung durchaus mit einer Bewertungsbitte versehen darf, es sei denn, der Kunde hat klar geäußert, dass er keinerlei Werbung erhalten möchte."

Also: Grundsätzlich ist dies möglich.

Beste Grüße,
die Redaktion
Zitieren
#3 Jens F. 2019-07-31 16:39
Ich schreibe auf meine Rechnungen unten den Satz: "Wenn Sie mit uns zufrieden sind, würden wir uns über eine positive Bewertung sehr freuen." Seitdem ist die Bewertungsrate um etwa 25% angestiegen und durchwegs positiv. Ich gehe erst einmal davon aus, dass das korrekt ist, denn die Rechnung ist kein Werbebrief, sondern Teil der Bestellung.
Zitieren
#2 Julian 2019-07-31 14:37
Thema "Anreize, wie etwa Gutscheine oder Rabatte" für Bewertungen,
wie verhält es sich da, wenn Bewertende durch Ihre Bewertung an einem Gewinnspiel teilnehmen?

Gerade bei einem online-Kauf bei OBI erlebt.

Das dürfte doch genau so ein Anreiz sein oder nicht?
Zitieren
#1 Daniel M. 2019-07-31 14:04
Das dies per E-Mail nicht erlaubt ist, ohne Zustimmung des Kunden ist klar, aber darf man ein Kärtchen in das Paket beilegen?
Zitieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.