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Mobiler Payment-Durchbruch?

Apple Pay gibt die Richtung vor

Veröffentlicht: 12.12.2018 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 13.12.2018
Apple Pay Logo an Tür

Ist der Start von Apple Pay nun ein Erfolg oder nicht? Grundsätzlich ist der Start der mobilen Bezahlmethode für Deutschland als „Digitalisierungsweltmeister“ erst einmal eine gute – wenn auch überfällige – Sache. Einer von 15 Finanzdienstleistern, die Apple Pay zum Start anbieten (für 2019 sind bereits neun weitere bestätigt, darunter ING und DKB), ist die Deutsche Bank. Diese sprach am Dienstagvormittag von 6.000 Neuanmeldungen pro Stunde. Das ist sehr amtlich, sagt aber freilich nur wenig über die am Ende tatsächliche (langfristige) Nutzung des Angebotes aus. Ausprobieren werden es viele, ob sie dauerhaft dabei bleiben, ist noch nicht abzusehen, zumal gerade in einem Land wie Deutschland das Thema Datensicherheit ein Reizthema bleibt – vor allem beim Thema Geld.

Darüber hinaus hat Apple im Smartphone-Bereich in Deutschland einen Marktanteil zwischen 15 und 25 Prozent, der Wert schwankt seit Jahren, ohne signifikant zu steigen oder zu sinken. Die überwältigende Mehrheit der Deutschen nutzt Android-Smartphones. „Sicherlich hat Apple eine gewisse Marktmacht. Doch wird es interessant zu sehen sein, ob diese ausreicht, um die anderen Akteure zu überholen. Denn Google Pay, Samsung Pay oder auch die Sparkassen und einige mehr haben schon früher damit begonnen, ihre Lösungen auf dem deutschen Markt anzubieten“, gibt etwa Ralf Ohlhausen, Business Development Director von PPRO, zu bedenken. In eine ähnliche Kerbe schlagen übrigens auch viele Twitter-Nutzer:

Ob „gefangen" oder nicht, Apple-Nutzer mussten lange genug warten und sind froh über den Start. Das bestätigt auch N26, einer der deutschen Startpartner von Apple Pay: „Mit der Integration von Apple Pay kommen wir dem Wunsch vieler Kunden nach, diese mobile Bezahlmethode auch in Deutschland anzubieten. Daher konnten wir heute viele Kunden glücklich machen." N26 hat bereits Apple-Pay-Erfahrung in fünf europäischen Märkten, der Start in Deutschland sei daher unproblematisch gewesen.

Durchbruch mobiler Zahlungen?

15 Banken, keine Unterstützung für die Girocard und „nur“ ein Viertel des Smartphone-Marktes sprechen erst einmal nicht für eine herausragende Marktdurchdringung. Und dazu machen aktuell die Sparkassen (noch?!) nicht mit. Das spricht zwar nicht unbedingt für die traditionellen Kreditinstitute, beschneidet die potenzielle Nutzergruppe aber noch weiter. Viel Kritik richtet sich vor allem auch gegen die Sparkassen und weniger gegen das Konzept von Apple Pay.

„Dennoch gehen viele Insider davon aus, dass Apple Pay durch die Bekanntheit und Marktmacht des Anbieters mobilen Zahlungen hierzulande endlich zum Durchbruch verhelfen wird“, so Ohlhausen. Die Frage ist gar nicht so sehr, ob Apple Pay zum mobilen Payment-Platzhirsch werden kann, sondern ob und wann das Bezahlen per Smartphone auch in Deutschland endlich salonfähig wird. Gegenüber Channelpartner sagt etwa Mirko Hüllemann, Gründer und Geschäftsführer von Heidelpay: „Es bleibt abzuwarten, ob sich das mobile Bezahlen am PoS dadurch durchsetzen wird. Für den Handel bedeutet es aber generell mehr Umsatz, da gerade jetzt vorm Weihnachtsgeschäft die Kunden nicht mehr so lang an den Kassen warten müssen und die Einkäufe schneller bezahlen können“.

„Deutschland ist ein komplexer Zahlungsmarkt“

Apple hat sich Zeit gelassen mit dem Deutschland-Start, den man schon längst hätte durchführen können – und zwar ganz bewusst, wie Apple-Managerin Jennifer Bailey im Handelsblatt unumwunden zugab: „Wir schauen uns verschiedene Dinge an, bevor wir in einem Land mit Apple Pay starten: Wie viele iPhones verkaufen wir? Wie viele Kunden haben Kreditkarten? Und sind die Banken bereit? Alles zusammen entscheidet darüber, wann wir loslegen. Deutschland ist ein sehr komplexer Zahlungsmarkt, hier gibt es zum Beispiel sehr viele Banken.“

Im Interview räumte Bailey übrigens auch gleich mit dem Vorurteil auf, die NFC-Schnittstelle des iPhones sei nicht für andere Bezahl-Apps freigegeben – zumindest ein Stück weit. Capitol One etwa habe seine Kreditkarte so in Apple Pay integriert, „dass Nutzer darauf aus der Banking-App heraus zugreifen können. […] Die Möglichkeit steht grundsätzlich allen Banken offen.“ Die meisten blieben aber lieber direkt bei Apple Pay, weil dafür keine App geöffnet werden müsse. Die Wahrheit dürfte sein, dass Apple die Nutzung der Schnittstelle bewusst komplex gestaltet, um Apple Pay als nutzerfreundlichste Lösung stark zu halten.

Auf das Angebot kommt es an

Der Erfolg wird am Ende auch von Händlern und Geschäften abhängen, die Apple Pay anbieten. Da finden sich zum Start namhafte Marken wie Saturn, Kaufland und McDonald’s und auch online kann man ja mit Apple Pay bezahlen. Computop zum Beispiel bietet seinen Händlern die Möglichkeit der Integration über die Zahlungsplattform Computop Paygate. „Mit unserer Erfahrung aus Integrationen in anderen Ländern konnten wir die Händler gut auf den Deutschland-Start vorbereiten“, sagt Ralf Gladis, CEO und Gründer von Computop. Ähnlich sieht es bei Shopify aus. Product Manager Germany, Ferry Hötzel, erklärt: „Wir haben in den letzten Jahren eng mit Apple zusammengearbeitet, um die Integration so einfach wie möglich zu gestalten. Die automatische Einbindung ermöglicht es Händlern, Apple Pay ganz einfach als Bezahloption zu aktivieren, überall dort, wo Apple Pay verfügbar ist. Dafür können Händler nun auch in Deutschland im Shopify Dashboard die Zahlungsoptionen einfach einsehen und Apple Pay aktivieren."

Und auch der Möbelriese Wayfair ist zum Beispiel dabei. „Die Anzahl der Wayfair-Kunden in den USA die Apple Pay nutzen, hat sich in den letzten anderthalb Jahren vervierfacht“, so Martin Reiter, Head of Europe bei Wayfair. Man freue sich nun darauf, Apple Pay auch in Deutschland bieten zu können, auch, weil die technische Integration des Dienstes von Berlin aus realisiert wurde.

Apple Pay ist da und der Hype, soviel kann man festhalten, ist weitaus größer als beim Start von Google Pay oder Samsung Pay. Langfristig wird sich das mobile Angebot gar nicht so sehr gegen die Konkurrenz, sondern vor allem gegen die Sturheit der deutschen Bar- und Girokarten-Zahler durchsetzen müssen. N26 drückt OnlinehändlerNews gegenüber auf die Bremse, ist aber optimistisch: „Die Nutzer stehen noch am Anfang eines Lernprozesses und viele sind nicht sicher, wie genau der Bezahlvorgang abläuft. Deshalb probieren sie die neuen Angebote erstmal mit kleinen Transaktionen aus. Ob sich hinsichtlich mobile Payment eine Veränderung zeigt, müssen wir über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten. Der Markt in Deutschland steht aktuell noch am Anfang. Das Interesse von Kundenseite ist aber in jedem Fall da."

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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Kommentare  

#1 lux 2018-12-13 10:22
Ich würde sagen, auf welche Art die Karte integriert wird, ist nicht die Frage, sondern vermutlich eher ob Lösungen möglich sind, bei der keine Umsatzbeteiligu ng an Apple zu zahlen ist. Ohne mich damit beschäftigt zu haben würde ich vermuten, dass Apple die Hand in From einer Umsatzbeteiligu ng dafür aufhält, wenn eine Bank Apple Pay nutzt. Das an sich wäre erst einmal nicht verwerflich. Aber das Verwerfliche ist dann eben, dass Alternative eigene Angebote, die Apple Pay nicht nutzen, sondern einfach über die NFC Schnittstelle eigene Angebote implementieren untersagt werden.

Ich bin zwar seit mehr als einer Decade Mac Nutzer, aber iPhone und Co. konnten mich mit ihrer begrenzten Welt glücklicher Weise nie locken. Ich bleibe da lieber bei Google.
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