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Irreführende Werbung

Schadstofffreie Matratzen dürfen kein Arsen und Quecksilber enthalten

Veröffentlicht: 12.12.2018 | Autor: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 05.03.2019 | Gelesen: 3448 mal
3D-Illustration des Aufbaus einer Matratze

Es scheint gar nicht so einfach zu sein, Matrazen richtig zu bewerben. Jedenfalls könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man auf die Rechtsprechung der letzten Monaten zurückblickt. Besonders das Bewerben mit Testergebnissen scheint den Matratzenhandel vor ungeahnte Herausforderungen zu stellen. Erst kürzlich hat das Oberlandesgericht Köln festgestellt, dass es sich um irreführende Werbung handelt, wenn eine Matratze mit einer Breite von 180 cm mit einem Testergebnis beworben wird, welches sich – auf das ansonsten identische Produkt – mit 90 cm Breite bezieht. Nun hat sich das Oberlandesgericht Stuttgart (Urteil im Volltext hier) mit Schadstoffen in Matratzen beschäftigt. Der Online-Händler „bett1.de” hat sein Produkt mit der Aussage „schadstofffreie Matratze” beworben. Genauer hieß es:

„Eine rundherum saubere Sache. Der BODYGUARD ist eine schadstofffreie Matratze und wurde nach OEKO-TEX-Standard in der strengsten Klasse 1 geprüft. Das Ergebnis: Er enthält keinerlei Weichmacher, Flammschutzmittel oder Pestizide."

Grundlage dieser Aussage war ein Ergebnis der Stiftung Warentest: „Auch Schad­stoffe im Matratzenmaterial wie Weichmacher, Flamm­schutz­mittel oder Pestizide fanden die Prüfer nicht. Die Body­guard-Matratze ist sauber." Dennoch war die Werbung irreführend, befand das Gericht. In der Matratze fanden sich nämlich neben Antimon und Formaldehyd auch Arsen und Quecksilber.

Auf die Grenzwerte kommt es hier an

Bei dem durchschnittlichen Verbraucher sollten bei diesen Inhaltsstoffen direkt die Alarmglocken läuten. Dass zumindest mit Arsen und Quecksilber nicht zu spaßen ist, weiß eigentlich jeder. Von der wissenschaftlichen Seite her betrachtet macht natürlich die Dosis das Gift. Von Fachkreisen her ginge von der enthaltenen Konzentration keine Gefährdung für die Gesundheit aus. Darauf könne „bett1.de” hier allerdings nicht abstellen. Es kommt allein auf die Einschätzung des Verbrauchers zu einer abstrakten Schädigung an. Der durchschnittliche Laie erwarte bei einer „schadstofffreien Matraze” keine schadhaften Stoffe – egal, wie klein ihr Anteil und die damit einhergehende Gefährdung sei. In den letzten Jahrzehnten sei der Verbraucher gerade was Grenzwerte angeht, sensibler geworden. Daher müsse auf eine korrekte Darstellung in der Werbung geachtet werden.

Über den Autor

Sandra May Experte für IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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