Ermittlungen zur Marktmacht

Bundeskartellamt befragt Online-Händler zu Amazon

Veröffentlicht: 20.10.2021 | Geschrieben von: Patrick Schwalger | Letzte Aktualisierung: 20.10.2021
Amazon.de Lager

Das Bundeskartellamt (BKartA) hat mehr als 400 Online-Händler, die als Drittanbieter auf dem Amazon-Marktplatz tätig sind, für eine Online-Befragung ausgewählt, um Informationen für ein aktuell laufendes Verfahren gegen Amazon zu gewinnen. 

Die befragten Dritthändler bieten auf amazon.de Waren in den Produktkategorien „Fashion und Accessoires“, „Elektronik und Computer“ und „Spielzeug und Babywaren“ an. Das BKartA forderte hierfür von Amazon die Kontaktdaten aller Händler in diesen Kategorien an. Anhand von vordefinierten Kriterien wurde dann die Gruppe von mehr als 400 Dritthändlern ausgesucht. 

Ausgewählte Händler sollen bis 8. November antworten

Die Online-Befragung der Dritthändler soll dem BKartA Informationen zur Marktstellung des Amazon-Marktplatzes liefern und die Bedeutung des Marketplace für den Zugang zu Einzelhandelsmärkten klären. Online-Händler, die ausgewählt wurden, erhalten vom BKartA per E-Mail den elektronischen Fragebogen und können diesen bis zum 8. November beantworten. Damit die Repräsentativität der Ergebnisse sichergestellt werden kann und die Ermittlungsmaßnahme erfolgreich ist, bittet das BKartA die ausgewählten Händler darum, an der Befragung teilzunehmen. 

Wer keine E-Mail vom Kartellamt erhalten hat, kann leider nicht an der Befragung teilnehmen. Wer dem Bundeskartellamt dennoch Hinweise auf Kartellrechtsverstöße zukommen lassen will, kann dies per Telefon, E-Mail oder über ein Hinweisgebersystem tun, über das Hinweise vollkommen anonym gegeben werden können. Kontaktdaten finden sich auf der Webseite des Bundeskartellamtes. Das BKartA weist jedoch darauf hin, dass einzelnen Beschwerden nicht immer vertieft nachgegangen werden kann. 

Ein neues Gesetz ermöglicht das Verfahren

Im Mai 2021 leitete das Bundeskartellamt ein Verfahren gegen Amazon ein, um herauszufinden, ob dem Digitalriesen eine „überragende marktübergreifende Bedeutung für den Wettbewerb zukommt“, wie Andreas Mundt, Präsident des BKartA, damals erklärte. Stelle sich heraus, dass Amazon tatsächlich eine solche Marktmachtposition einnimmt, könnten in einem nächsten Schritt wettbewerbsgefährdende Verhaltensweisen von Amazon untersagt werden. 

Grundlage für das eröffnete Verfahren war die Modernisierung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), die Anfang 2021 beschlossen wurde. Dieses sogenannte GWB-Digitalisierungsgesetz ermöglicht es dem Bundeskartellamt früher und effektiver gegen Marktmacht von Digitalriesen wie Amazon vorzugehen. 

Die Aufgaben des Bundeskartellamtes haben wir in einem eigenen Artikel erklärt. 

Über den Autor

Patrick Schwalger
Patrick Schwalger Experte für: EU- und Bundespolitik

Patrick ist Politik-Experte beim Händlerbund und schreibt regelmäßig als Gastautor auf OHN. Er hat in verschiedenen politischen Kontexten in Brüssel und Köln gearbeitet und kennt die Politik von allen Seiten. Für den Händlerbund bearbeitet er die politischen Entwicklungen, die den Online-Handel bewegen und informiert darüber auf OHN.

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Kommentare  

#5 matze 2021-10-23 16:54
ich mach grad ein Experiment und habe meine Seiten(Angebote ) von Ebay und amazon entfernt (pausiert)
und das Ergebnis ? Die Leute finden die produkte doch überraschend auch auf meiner eigenen Seite.
Das Ergebnis nach 2 Monaten ? Ich bin´s zufrieden und werde mich dort fast komplett verabschieden....
Manchmal ist weniger Arbiet auch mehr Gewinn....Umsat z ist nicht alles....
Probiert es doch auch mla aus, seid mutig....meint gourmet-weinhan del
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#4 Stephan 2021-10-22 09:57
Schön, nur 15 Jahre zu spät, aber man tut was man kann oder auch nicht.
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#3 Christian Benyi 2021-10-20 18:08
Da gibt es soviel was geklärt werden müsste, zum Beispiel das Amazon Kunden anbietet, Kauf auf Rechnung mit 30 oder 45 Tage Zahlungsfrist.
Und ich muss auf das Geld warten.
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#2 Merzweil Klaus 2021-10-20 15:33
Entschuldigung, aber wer zweifelt an der marktbeherrsche den Stellung von Amazon. Die machen die Spielregeln und wem das nicht passt muss gehen ob freiwillig oder unfreiwillig. Sie machens halt weils sies können. Plattformbetrei ben und Anbieter gehören getrennt ,an sonsten wird sich da nicht ändern.
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#1 Stefan Inri 2021-10-20 15:22
Endlich passiert mal was. Jetzt bekommt Amazon das zurück was es jahrelang ausgeteilt hat.
Ich wette das von den 400 Händlern mindestens 70% wenn nicht sogar mehr, genug zu erzählen haben, was Amazon so mit denen alles so angestellt hat !
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